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Weihnachten aus der Mitte

Es weihnachtet sehr … Eigentlich schon seit Ende Oktober, so ist zumindest mein Eindruck in der Sache. Die Strassenbeleuchtungen kamen erst ab Mitte November dazu, aber da waren im Supermarkt, in dem ich einkaufe, schon längst Gestelle voller Dinge, die irgendwie mit dieser Zeit, die dann anscheinend an Weihnachten ihren Höhepunkt hat, in Beziehung gesetzt werden können.

Das klingt jetzt alles sehr vage, bewusst so, denn es würde mich einige Mühe kosten, viele dieser Dinge mit dem in Bezug zu bringen, was im Glauben die Feier der Menschwerdung Gottes in der Geburt Jesu Christi ist. Dieser die Feier im Glauben bestimmende Inhalt erscheint fast nur noch an den Rändern des ganzen Geschehens, das sich auf Weihnachten hin steigert. Und mit dieser Feststellung wären wir dann örtlich wieder dort, wo das Ganze seinen Anfang nahm: am Rand.

Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. Es war ein Geschehen am Rand, diese Geburt des Erlösers, vor Ort nicht wahrgenommen, wären da nicht ein Engelchor erschienen und Sterndeuter aus dem Osten, aber auf diese können wir nicht mehr zählen.

Wahrscheinlich wäre nun hier ein Aufruf angebracht, diese Randexistenz der «eigentlichen» Weihnacht ins Zentrum zu rücken. Aber irgendwie scheue ich mich, dies zu tun, dann mache ich meine eigene Mitte. Vielleicht ginge es ja darum, dass ich, sobald ich mich auf diesen am Rande Geborenen einlasse, dezentralisiert werde, aus der Mitte, in der ich mich eingerichtet habe, herausgenommen werde? Nur wohin …?

Kurt Schweiss, Pastoralraumpfarrer

23. Dezember 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 26
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