Bildlegende: Weihwasser ist Erinnerung an die Taufe. Foto: fotolia/jdjuanci

Weihwasser, das -

Wenn ich als Katholik in eine reformierte Kirche spaziere, was hin und wieder vorkommt, widerfährt mir der meist einzige kurze Moment der Verwirrung direkt beim Eingang. Als rechtschaffener Katholik tasten meine frommen Finger selbstverständlich als erstes nach der Weihwasserschale, um alsbald ein benetztes Kreuz zu schlagen – und finden nur Luft, wo doch das gesegnete Wasser Wellen schlagen sollte.

Weihwasser: Segnungsmittel, Tauferinnerung, katholisches Sakramental. Der Brauch des Besprengens von Gegenständen oder Menschen mit Weihwasser geht zurück auf vorchristliche Reinigungsriten, Lustration genannt. Wasser steht wie kein anderer Stoff für das Leben, die Reinheit und Erneuerung. Dementsprechend viele Religionen kennen die geistige und religiöse Reinigung. Die Hindus zelebrieren sie beispielsweise mit einem Bad im Fluss Ganges. Auch in der biblischen Tradition nimmt das Wasser eine zentrale Rolle ein: sei es beim Durchzug des Volkes Israel durch das Rote Meer, bei der Reinigung der Erde durch die Sintflut, der alttestamentlichen Reinigungen im Jordan – und nicht zuletzt durch die Begründung der christlichen Taufe durch Jesus und Johannes.

Die Erinnerung an die Taufe ist denn auch einer der wichtigsten Aspekte des Weihwassers. Beim Eintritt in die Kirche bekreuzigt sich der Gläubige mit Weihwasser, um seiner Aufnahme in die christliche Gemeinschaft zu gedenken – es gibt aber auch spezielle Taufgedächtnisfeiern, bei denen Wasser gesegnet und die Gemeinschaft damit besprengt wird. Neben dem Taufgedächtnis dient das Weihwasser der Segnung. Hier zeigen sich starke Unterschiede in den lokalen Bräuchen: In streng katholischen Landesteilen ist Weihwasser in vielen Haushalten oder auf Friedhöfen zu finden, wohingegen es gerade im Bernbiet selten ausserhalb der Kirche anzutreffen ist – genauer: ausserhalb des Weihwasserbeckens.

Ist Ihnen übrigens aufgefallen, dass dieses Ähnlichkeit hat mit einem Taufbecken? Jedesmal, wenn Sie eine Kirche betreten, kehren Sie zu den Wurzeln ihres Christseins zurück. Schön, oder?

Sebastian Schafer

«katholisch kompakt» im Überblick

24. Juli 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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