Es ist die Aufgabe der Kirche, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Bischof Felix Gmür. Foto: bistum-basel.ch

Weniger ist mehr

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirtschaft ist auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst, sagt Felix Gmür, Bischof des Bistums Basel.

Er ist Präsident des Stiftungsrats von «Fastenopfer». Das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz organisiert gemeinsam mit «Brot für alle» und «Partner sein» die ökumenische Fastenkampagne.

«pfarrblatt»: Alle Jahre wieder! Ist die Fastenkampagne etwas Langweiliges oder was ist die besondere Herausforderung?
Felix Gmür:
Die Entwicklung einer Kampagne ist anspruchsvoll, weil sie Menschen zum Nachdenken und idealerweise zu einer Verhaltensveränderung bewegen muss.

Welches ist Ihr persönlicher Fastentipp für den Normalbürger während der Fastenzeit?
Achtsam einkaufen und achtsam essen: Verzicht auf Lebensmittel, die auf Kosten von Umwelt oder Menschen produziert werden.

In der Fastenkampagne ist immer wieder von «Land Grabbing» die Rede. Wie erklären Sie den Leuten, was das ist?
«Land Grabbing» ist der spekulative Umgang mit Boden durch Verkauf oder Verpachtung an ausländische Investoren oder Drittstaaten. Die Folge davon sind oft ökologische und soziale Ausbeutung – Existenzverlust für Millionen von Menschen. Davon betroffen sind insbesondere Afrika, Asien und zunehmend auch Osteuropa.

Unter dem Motto «Geld gewonnen, Land zerronnen» stehen 2017 neben Grossunternehmen auch Schweizer Banken im Fokus, die weltweit in agro-industrielle Grossprojekte investieren. Droht den Kirchen wegen dieser Kritik an der Wirtschaft Ungemach?
Es ist die Aufgabe der Kirche, sich für Gerechtigkeit einzusetzen – unabhängig, um welches Thema es sich handelt. Bei der Wirtschaft handelt es sich nicht um «etwas Anderes». Wir alle sind die Wirtschaft und leben davon. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Wirtschaft ist deshalb auch eine Auseinandersetzung mit uns selbst.

Mit dem Nein zur Unternehmenssteuerreform III hat das Schweizer Stimmvolk Grossfirmen in der Schweiz die Rote Karte gezeigt. Könnte diese kritische Haltung gegenüber multinationalen Konzernen Leute zu einer Spende für die Fastenkampagne bewegen?
Die Menschen unterstützen ein Hilfsprojekt nicht, weil sie gegen etwas sind, sondern weil sie helfen wollen.

Was ist Ihr persönlicher Vorsatz für die Fastenzeit?
Gute Vorbereitung auf Ostern in Gedanken an die Menschen, die unseren Wohlstand nicht teilen können. Es kann befreiend sein, wenn man feststellt, dass Weniger-Haben das Glück nicht schmälert.

Interview: Georges Scherrer, kath.ch / jm

 

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Der Bischof in Bern Bischof

Felix Gmür besucht im März die Seelsorgeteams der Region Bern. Am Dienstag, 28. März, findet um 18.00 in der Kirche Dreifaltigkeit Bern ein öffentlicher Gottesdienst mit dem Bischof statt. Anschliessend sind alle zu einem Apéro mit Begegnungsmöglichkeit eingeladen. jm

8. März 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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