Werte?. Foto: Katarzyna Kos, Unsplash

Werte aktiv einbringen

«Eidgenössisch» ist der Bettag! Es ist der einzige kirchliche Feiertag, der einen politischen Ursprung hat. 1832 wurde er von der Tagsatzung des damals jungen Staates beschlossen. Dies sagt auch etwas über die damaligen Machtverhältnisse aus.

Bei der Einführung des Bettags waren es die politisch mächtigen Kräfte, die angesichts der Veränderungen ihre Verantwortung für die Gesellschaft wahrnahmen. Sie spürten, dass für eine stabile, gute Ordnung nicht nur politische Macht, sondern auch die Rückbindung an tragende Werte wichtig ist. Denn der Bettag wurde nicht zuletzt auch eingeführt, damit die neue Schweiz sich nach der französischen Revolution neu einen konnte.
Wir können Politik, Kirche und Wirtschaft als drei wichtige Kräfte des gesellschaftlichen Zusammenlebens betrachten. So schafft die Wirtschaft die materiellen Grundlagen für das Zusammenleben, während sich die Politik um Fragen der Gestaltung der Rahmenbedingungen, beispielsweise der Gesetze, kümmert. Die Kirche schliesslich bringt Wert- und Sinnfragen ein.

Die Geschichte des Bettags und der Klöster zeigt, dass jene, welche die Hauptverantwortung in der Gesellschaft tragen, eingeladen sind, auch andere gesellschaftlich Mittragende in diese Verantwortung einzubeziehen. Darum haben die Politiker bei der Einführung des Bettags nebst ihrer politischen auch die moralische Verantwortung wahrgenommen und die Wertgrundlagen für das Zusammenleben mit dem Bettag zu einem nationalen Gedenktag gemacht.
Heute sind es vielfach die Wirtschaft und ihre Führungsleute, die über unsere Gesellschaft bestimmen. Wie Wirtschaft funktioniert und wie ihre Führungsleute denken, was sie sagen und wie sie handeln, hat grossen Einfluss auf unser Zusammenleben. Wirtschaftsführende tragen darum nicht nur eine wirtschaftliche, sondern eben auch eine gesamtgesellschaftliche und moralische Verantwortung.

So lässt mich der diesjährige Bettag Fragen an die wirtschaftlichen Führungsleute stellen: Wie nehmt ihr heute eure Verantwortung für das Wohlergehen der Gesellschaft wahr? Wie sollen nach euren Vorstellungen beispielsweise Profit, Geld, Wachstum mit Solidarität, Gemeinwohl und Nachhaltigkeit zusammenspielen? Wie sieht ein Bettag aus, wenn ihn Wirtschaft und Kirche gemeinsam gestalten?

Thomas Wallimann,Theologe und Sozialethiker. Präsident a.i. der Nationalkommission «Justitia et Pax» der Schweizer Bischofskonferenz

www.juspax.ch

 

 

13. September 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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