pfarrblatt:

News-Artikel

Wie christlich ist unser Abendland?

Kein Zweifel: Die christliche Welt hat Überragendes an Kunst, Philosophie, Wissenschaft und Technik hervorgebracht. Michelangelo, Bach, Voltaire, Shakespeare sind nur vier von Tausenden von genialen Menschen, die dank Inspiration und Herausforderung durch das Christentum Grossartiges geleistet haben. Vom christlich geprägten Forschergeist und Arbeitsethos zeugen auch die hoch entwickelten Bildungs- und Gesundheitswesen, Industrie- und Dienstleistungssektoren.
Ebenso bedeutungsvoll ist die Entwicklung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und Völkerrecht sowie den Sozialwerken. Vergessen wir aber nicht, dass manche dieser Errungenschaften gegen den Widerstand der christlichen Kirchen und konservativen Parteien erkämpft werden mussten. Und dass das christliche Abendland grösste Gräueltaten verübte. Die Völker Europas bekriegten sich gegenseitig (z.B. im 30-jährigen Krieg); durch Eroberungen und Kolonien dezimierten und beuteten sie andere Völker aus; die beiden Weltkriege gingen vom christlichen Europa aus.
Auch die Gegenwart ist äusserst ambivalent. Nebst Segen bringt der christliche Westen noch immer grösstes Leid über die Welt, indem er einen schmutzigen Wirtschaftskrieg gegen die armen Völker führt. Ich habe das Glück, in der Entwicklungszusammenarbeit tätig zu sein, weiss aber, dass sie für viele nur ein Deckmäntelchen für die Ausbeutung der Armen ist. Der christlichen Welt stünde es gut an, die versteckte strukturelle Gewalt, die von ihr ausgeht, zu beenden.

Das Lebenshaus unseres Glaubens gleicht einer grossen Kathedrale, an der seit nunmehr 2000 Jahren ununterbrochen gebaut wird. Unzählige Bauherren haben  daran mitgewirkt: die frühchristlichen Gemeinden und Evangelisten, der   Glaubenssinn von Millionen Menschen, das kirchliche Lehramt, Prophetinnen und   Propheten. José Balmer schreibt über seinen Glauben. Ganz persönlich. In den  1980er Jahren lebte er in Bolivien. Sein Glaube ist von den Erfahrungen in dieser  Weltgegend geprägt.

Wer auf seine Anregungen einsteigen will, kritisch, zustimmen oder ergänzend, kann das in unserem begleitenden Forum tun (Online-Formular, Email).

25. Juni 2014