Foto: Pia Neuenschwander

Wie feiern wir Ostern?

Es ist eine Zeit, die anders ist. Trotz Corona-Krise: Ostern findet statt. In den Ritualen und Feiern halt einfach auch – anders. Das «pfarrblatt» hat darum das Team der Fachstelle Religionspädagogik gebeten, Ideen, Impulse und konkrete Vorschläge zu entwickeln, wie man die Ostern feiern kann. Es hat die Herausforderung angenommen und gleichsam die aktuelle Situation mit Ostern verknüpft.

Autor*innen: Team Fachstelle Religionspädagogik Bern, www.kathbern.ch/farp

Die Initialzündung am Anfang des Christentums vor 2000 Jahren waren gemeinsame Feiern im engsten Kreis. Es gab kein Verständnis von Weltkirche, in dem Sinn, dass etwa alle «gleich» denken müssen und damit auf religiöse «Einbahnstrassen» geführt worden wären. Man hat sich auch damals am Leben orientiert, das in aller Abhängigkeit Neues bilden kann. Dabei ist das Leben Jesu Programm – wir können uns darin spiegeln. Zwischen Dunkel und Licht bewegen wir uns. Damals wie heute.

Wir feiern Erfahrungen, Ereignisse, die uns berühren. Jeder Geburtstag ist eine Erinnerung an die Geburt und setzt die/den Feiernde*n in den Mittelpunkt. Dazu gehört Rückblick und Ausblick. Religiöse Feiern wollen an Ereignisse erinnern und Erfahrungen teilbar machen. Diese machen wir gemeinsam oder allein. Religionen sollen Angebote machen, damit wir uns darüber austauschen können; sie bieten Rituale an, welche diese Erfahrungen feiern lassen.

Wir erfahren uns immer wieder zwischen Angst und Hoffnung. Gerade die Corona-Krise macht uns diese Spannung bewusst. Sie lässt sich ebenfalls in den österlichen Tagen ausmachen; Jesus feiert, nimmt Abschied, ist allein im Garten Gethsemane, trägt sein Kreuz, stirbt, wird ins Grab gelegt, aufersteht. Während dieser vier Tage erinnern wir uns an diese zentralen Ereignisse im Christentum. Die Geschichte Jesu wiederholt sich immer wieder im Leben der Menschen im Hier und Jetzt. Wie feiern wir die österlichen Tage in Corona-Zeiten? Hier ein Vorschlag, diese Tage in der Familie und mit seinen Liebsten zu feiern:

Hoher Donnerstag

Erster biblischer Bezug: Mk 14,12–42: Jesus feiert mit seinen Freunden das Paschamahl, in der Tradition als Jude. Es wird das letzte gemeinsame Mahl sein und Jesu Tod lässt sich vorhersehen. Trotzdem feiern er und die Jünger das Fest der Befreiung aus der Sklaverei.
Zweiter biblischer Bezug: Joh 13,1–20: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füsse. Dabei geht es um das Anteilnehmen am Nächsten und um ein «Ausglätten» von Hierarchien. Wer scheint mehr wert als andere? Warum?

Ritual

Wir teilen einander mit, was uns beschäftigt und was uns betrifft. Wir können uns jetzt nicht gemeinsam mit unseren Freund*innen austauschen, zusammensitzen und feiern. Aber wir könnten

  • Den Film «Prince of Egypt» schauen
  • Eine Osterkerze mit Wachsplatten verzieren: Was beschäftigt mich? Was trifft mich? Was fühle ich? Was hält mich gefangen? Wonach sehne ich mich? Welche Menschen sind an meiner Seite?
  • Eine wohltuende, kleine Handmassage anbieten. Dazu braucht es ein Massageöl oder Handcreme.

 

Musikalischer Bezug

«Leichtes Gepäck» von Silbermond. Dabei geht es um die Fragen: Was macht das Leben lebenswert – sinnvoll? Was braucht man für ein erfülltes Leben wirklich? Wenn wir am Ende stehen und auf unser Leben zurückblicken, lassen sich die wichtigen von unwichtigen Dingen unterscheiden?

Menüvorschlag

Grüne Suppe zu Gründonnerstag. Das Rezept ist im Internet zu finden.

Karfreitag

Biblischer Bezug: Mk 14,43–15,41 (Joh 18,1–19,42): von der Gefangennahme Jesu bis zu seinem Tod am Kreuz

Ritual

  • Wir denken an Menschen, die sich verlassen fühlen oder nicht mehr unter uns sind. Und an jene, die liebe Menschen in dieser Zeit der Corona-Krise verloren haben oder um das Leben ihrer Lieben bangen. Wir denken an Menschen, die Angst haben, an Menschen, die sich eingeengt fühlen.
  • Wir sammeln dürre Äste, die uns an alles Abgestorbene erinnern – oder Dornenzweige für alles, was schmerzt und sticht. Diese legen wir an einen Ort in der Wohnung (Tisch, Kommode).
  • Dabei können wir auch Kräuter des Frühlings sammeln für das gemeinsame Eierfärben. Vielleicht fühlen wir auch gerade jetzt in der Zeit von Distanzierungsvorschriften schmerzlich, wie sehr uns Freunde und Verwandte fehlen. Wir können den Menschen, die wir vermissen, Grusskarten schreiben.


Erster musikalischer Bezug

«Streets of Philadelphia» ist ein im Frühjahr 1994 veröffentlichtes Lied des US-amerikanischen Rockmusikers Bruce Springsteen. Es ist ein melodisches Klagelied, begleitet von Synthesizer-Klängen und einem Drumcomputer. Der Songtext deckt sich weitestgehend mit der Klage aus Psalm 22, welche Jesus in den Mund gelegt wurde: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.»

Zweiter musikalischer Bezug

Hören eines Passions-Oratoriums

Menüvorschlag

Klassisches Gericht mit Gemüse und eventuell Fisch

Karsamstag

Biblischer Bezug: Mk 15,42–47: Jesus wird begraben. Die Menschen um Jesus können ihn nur noch bestatten. Sie trauern und tragen ihn zu Grabe. Es ist, wie es ist.

Ritual

Der Karsamstag symbolisiert die Leere.

  • Wo und wann fühlen wir uns selbst leer und nicht erfüllt? Was sind die Chancen der Leere, die jede Krise erzeugt?
  • Einen Spaziergang machen, den Moment der Stille geniessen, sich etwas Gutes tun, wie beispielsweise ein Bad nehmen, auf sich besinnen
  • Einen Osterkranz oder Ostertauben backen
  • Trotz allem lässt sich in der Leere schon die Fülle, in der Trauer bereits die Auferstehung erahnen.


Vielleicht zünden wir die selbst gemachte Osterkerze in der Dunkelheit des Abends an?

Erster musikalischer Bezug

«Sitting here in Limbo» von Jimmy Cliff. Wieso fühle ich mich gefangen? Was engt mich ein? Was macht mich leer?

Zweiter musikalischer Bezug

«Wartezimmer der Welt» von Herbert Grönemeyer. Die Stille als Spannung erleben. Man weiss nicht, was kommt, was auf uns wartet. Wir wissen nicht, wie das Morgen aussieht. Gibt es Hoffnungsschimmer in diesen Zeiten?

Menüvorschlag

Viel Phantasie wünschen wir allen beim Ausprobieren neuer Rezepte.

Ostersonntag

Biblischer Bezug: Mk 16,1–8; (Mt 28,1–10): Jesus lebt! Die Verzweiflung, die Trauer, die Leere verwandeln sich in neues Leben. Das leere Grab beschreibt diese Erfahrung bildlich.

Ritual

Wir freuen uns des Lebens!

  • Kerzenlicht, die selbst gestaltete Osterkerze entzünden, Musik, feines Essen ... All das erinnert uns daran, dass uns das Leben geschenkt ist und dass wir für das Glück geschaffen sind. Wo in unserem Leben haben wir diese Erfahrung schon gemacht?
  • Wir suchen das Osternest in der Wohnung/im Garten.
  • Leben teilen: Wir tauschen uns darüber aus, was uns Hoffnung gibt, und zeigen einander Dinge, die unser Herz erfreuen. Das kann etwas sein, das wir gerade ganz neu entdecken oder das uns in den letzten Wochen wichtig geworden ist.


Ostern – ein Fest in der Fülle.
Ein Fest, das ermutigt und aufrichtet. Ostern ist achtsames Neu-Wahrnehmen von Leben. Die Ostergeschichte in der Bibel ist sozusagen Gegenprogramm zu einer Welt voller Dunkelheit und Tod. Sie erzählt davon, dass das Leben trotz gegenteiliger Erfahrung stärker ist als all das, was tötet. Sie ist eine Hoffnungsgeschichte für Menschen in Bedrängnis. Diese Auferweckungserfahrung kann uns in unserem Alltag immer und immer wieder stärken. Vielleicht gerade durch das Leben in der Krise wird sie auch zur Hoffnungsgeschichte für uns Menschen in Europa.

Musikalischer Bezug

«Life Vest Inside – Kindness Boomerang» von «One Day»

Menüvorschlag

Da gibt es viele Vorschläge im Netz. Ostereier «tütsche» nicht vergessen!

Ostermontag

Biblischer Bezug: Lk 24,13–35: Jesus auf dem Weg nach Emmaus

Ritual

  • Die biblische Geschichte der Emmausjünger beschreibt eine Glaubenserfahrung. Zwei sind unterwegs und machen durch das Gespräch, den Austausch, die Erfahrung, dass ihnen die «Augen» aufgehen für das, was Hoffnung gibt. Diese Geschichte lässt in der Trauer erkennen: Die Erinnerungen und die Lebenshaltung eines geliebten Menschen können weiter ins Leben im Hier und Jetzt integriert werden, darin besteht tiefer Lebenssinn. In der Leere und der Langeweile kann Neues, Hoffnungsvolles entstehen. Einander erzählen, was Hoffnung und Kraft gibt und ermutigt!
  • Fotoalben anschauen, ein Lebenspanorama malen – was erschliesst sich rückblickend?
  • Einen Spaziergang machen und meditieren über den Satz «Leben, ich liebe es»

 

Musikalischer Bezug

Alle stellen ein Musikstück vor, das ihnen Kraft und Energie gibt.

 


Reflexion meint Rückblick und Ausblick.
Damit gemeint: Wir wissen wenig über das, was kommt. Wir vertrauen darauf, dass gedeutete und geteilte Erfahrungen wirken. Wir glauben, dass wir auf einen Schatz von Glaubenserfahrungen zurückgreifen können, die in der Bibel, aber auch sonst wo im Leben ausgefaltet werden können. Daraus lassen sich Visionen bilden, Hoffnungen kreieren, Auferstehungen leben. Dafür scheint die Zeit reif. Und dennoch: Zwischen Dunkel und Licht bewegen wir uns. Damals wie auch heute.

 

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8. April 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 8
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