pfarrblatt:

News-Artikel

Oliver Schneitter (1978), lic. phil., Kulturmanager und Bachelor der Katholischen Theologie der Universität Luzern. Studiert momentan an der Hebräischen Universität Jerusalem.

Wie findet uns das Glück?

Für mich gibt es verschiedene, immer wieder neue Lieblingsstellen der Bibel. Sie sind weniger philosophische Anregungen, sondern meine spirituelle Quelle und Inspiration, die im richtigen Moment zu mir sprechen. Meine Lieblingsstelle Gen 12 ist aktuell und persönlich zugleich: Seit ein paar Wochen lebe ich studienhalber in Jerusalem und es ist ein spannendes, aber auch intensives Leben mit vielen Herausforderungen: Der Hebräischkurs ist extrem kopflastig, durch die Gesellschaft muss man sich mehr durchboxen als bei uns, Vertrautes vermisse ich manchmal.

Für dieses akademische und spirituelle Weiterbildungsjahr habe ich in meinem Schweizer Leben einiges verändern müssen: Job, Karriere, Beziehungen. Ein hoher Preis. Ein zu hoher? Manchmal scheint es so, manchmal überhaupt nicht. Gemäss der Kabbala – so habe ich hier gelernt – ist jeder Geburtstag des Jahres einer bestimmten Stelle der Thora zugeordnet. Quasi eines jeden persönliche Bibelstelle. Meine (7. November) ist nun eben Gen 12 bis 17 und ich lese darin: Hör auf deine innere Stimme, dein Gefühl, lass dich vom Grundvertrauen leiten und wage es, deine angestammten Verhältnisse, deine Beziehungen und vermeintlichen Wahrheiten zu verlassen, wenn du dich auf deinen Weg machen willst. Dann werde ich dich leiten. Worte des Vertrauens, wenn Zweifel kommen und Ängste da sind.

Wir wählen jedes Mal, ob wir vorangehen oder zögern und zurückbleiben wollen. Folge ich meinem Ruf und gehe ins Unbekannte, lasse los oder bleibe ich in Sicherheit, tue neue Wege als Spinnerei ab? Wenn ich entschieden habe, kann ich im Vertrauen gehen. Darin fühle ich Gott. Nun bin ich ins selbe Land gezogen wie Abraham. Ob ich soviele Nachkommen wie er haben werde, mag bezweifelt werden. Aber die Belohnung ist ein anderer Reichtum: Wenn wir es wagen, uns auf unseren eigenen Weg zu machen und darauf achten, was wir erhalten können, statt nur, was wir zu verlieren fürchten, dann findet uns das Glück. Trauen wir uns zu, Väter und Mütter von was ganz Grossem zu werden!

6. Oktober 2011