... und plötzlich fällt einem die Decke auf den Kopf. Foto: iStock/golero

«Wie kommen wir da heil raus?»

Am Morgen geht es bei uns rasch: Müesli, Zähneputzen, Müntschi – und schon sind alle vier aus dem Haus. Zu Fuss zur Schule, mit dem Velo in die Kita und ins Büro – rein in einen Tag voller Menschen und Begegnungen. So war das bis vor ein paar Wochen. Nun geht niemand mehr nirgendwo hin. Nach gefühlten drei Tagen Ferienstimmung war die Landung ziemlich hart.

Von Andrea Meier, Leiterin Fachstelle Kinder und Jugend

Wie sollen wir als Eltern weiterhin je vier Tage pro Woche arbeiten, gleichzeitig unsere Tochter unterrichten, unseren Dreijährigen betreuen und den Haushalt schmeissen? Die Aufgabenstellung hat nicht nur rechnerisch ihre Tücken. Stockende Video-Verbindungen in der Sitzung, ein «Gnusch» auf dem gemeinsam genutzten Arbeitspult, und die Frage, wie viele Seiten heute dran sind mit Lesen, verkomplizieren die Sache zusätzlich.

Auch emotional kommen wir an unsere Grenzen: Wir Erwachsenen vermissen nicht nur Freund*innen und Sport, sondern auch die Arbeitskolleg*innen. Die Euphorie der Kids über die Zwangsferien ist schnell verflogen, wir schicken nun Briefe an Schul- und Kitafreund*innen. Wenn die Kinder im Bett sind, kommt neben der Frage, ob es ok ist, jeden Abend ein Bier zu trinken, auch immer öfter die Frage auf: «Wie kommen wir da heil raus?»

So wie uns geht es auch anderen: Auch ohne Corona wird das, was wir gerade erleben, als Rushhour des Lebens bezeichnet. Hohe Anforderungen und Ambitionen im Job, Engagement in Vereinen, Politik und Gesellschaft kombiniert mit Kindern und der damit verbundenen Care-Arbeit und Familienorganisation. Die Frage nach Entlastungsmöglichkeiten ist also jetzt gerade sehr dringend – aber auch sonst eine wichtige. Verschiedene Organisationen und Initiativen bieten hilfreiche Tipps und Inputs zum Thema im Internet. Die Fachstelle Kinder und Jugend stellt auf ihrer Website Links zum Thema zur Verfügung.

Hilfreiches und Erprobtes für diese und andere stürmische Zeiten

  • Es sind schwierige Zeiten. Geht versöhnlich miteinander um. Es ist o. k., wenn nicht alles genau so konsequent durchgezogen wird wie sonst.
  • Rituale geben Sicherheit. Einigt euch auf einen Tages- und/oder Wochenablauf (z. B. mit Post-it auf dem Kühlschrank, dann kann man ihn auch ändern) und sammelt Ideen fürs Wochenende auf einem Blatt.
  • Zieht euch am Morgen richtig an, und putzt die Zähne nach dem Frühstück – das hilft, in den Tag zu finden.
  • Macht bewusst Feierabend und Schulschluss. Läutet diesen z. B. ein, indem ihr Ordnung schafft auf dem Schreibtisch und die To-dos für den nächsten Tag notiert.
  • Auch im Home-Office und Homeschooling gibt es Pausen! Vielleicht könnt ihr sie ja jetzt gemeinsam verbringen? Definiert klare Zeiten.
  • Die freie Gestaltbarkeit der Zeit macht mehr Mitbestimmung möglich: Möchte die Dreizehnjährige lieber nach dem Nachtessen nochmal lernen? Will Mama schon um 05.30 ins Büro? Probiert auch Ungewohntes aus!
  • Nehmt euch täglich Zeit für Bewegung, einzeln oder in der Familie. Draussen spazieren, gemeinsam Yoga üben mit einem Youtube-Video, drinnen Purzelbäume, Kniebeugen oder Liegestütze trainieren.
  • Gestaltet mit einem Tagesrückblick, Gebeten, Vorlesen oder gemeinsamem Geschichtenhören vor dem Schlafengehen eine Abendoase für die Familie.
  • Nimm deine Kinder kurz und innig in den Arm, auch wenn es gerade ungelegen kommt. Umarmungen beruhigen mehr als Vertrösten auf später, und die Videokonferenz bekommt so eine sympathische Auflockerung.
  • Nutzt die Kommunikationsmittel: Videochat mit dem Grosi, Whatsapp mit dem Götti, Online-Kafi mit der Freundin!
  • Sorgearbeit ist auch Arbeit: Reden wir darüber mit Vorgesetzten, Kolleg*innen, Arbeitnehmervertretungen und Politiker*innen.

 


Weitere Infos:
www.kathbern.ch/kinderundjugend
www.familienzeiten.ch
www.dureschnufe.ch



9. April 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
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