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Wir beten für …

 

von Conny Pieren, St. Marien Thun

Diese Woche beten wir für die «Einheit der Christ*innen». In diesem Satz stolpere ich persönlich über einige Wörter. Sicher, es ist auch mir ein Herzensanliegen, dass die Ökumene auf allen Ebenen gelebt wird. Aber es stimmt mich traurig, dass wir immer noch angehalten werden müssen, für diese Einheit zu beten.
Dann sind in diesem Gebet für mich viele ausgeschlossen. Wäre es nicht besser, für die Einheit der Menschen zu beten? Noch nicht lange her haben wir die Geburt Jesu gefeiert. Der Menschensohn, wie er sich selbst in vielen Texten benennt, wurde geboren. Gott wurde Mensch. Ich denke, dass wir Menschen nur zur Einheit in aller Unterschiedlichkeit werden, wenn auch wir uns als Kinder Gottes annehmen und in eine innere Haltung kommen, dass wir alle Menschentöchter und Menschensöhne sind.

Und genau hier kommt dann für mich auch die Frage ins Spiel, für was genau sollte ich deshalb nochmal beten? Wer sollte denn die Einheit herbeiführen? Gott? Gottes Geist?
Momentan höre ich während den Autofahrten ein Hörbuch von Thomas Frings «Gott funktioniert nicht. Deswegen glaube ich an ihn». Er spricht darin unter anderem über das Gebet, und ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich für mich verstanden hatte, was er mit dem Ausdruck «Gott funktioniert nicht» meint. Einfach zusammengefasst: Gebete sind nicht dazu da, Gott zu etwas zu bringen oder dazusitzen und darauf zu warten, dass er etwas macht.

Im Religionsunterricht sage ich deshalb: «Es klingt jetzt hart, aber ihr braucht nicht darauf zu hoffen, dass Gott euch eine gute Note schreibt, wenn ihr nicht lernt. Aber das Gebet kann euch in eurem Handeln verändern und eure Motivation zum Lernen bestärken.»
Deshalb: Ich lade Sie ein, wenn es für Sie ein Herzenswunsch ist, für eine innere Haltung zu beten, jedem Menschen so zu begegnen, dass trotz aller Unterschiedlichkeit spürbar wird, dass wir vor Gott alle eins sind!

 

«Sie waren uns gegenüber ungewöhnlich freundlich» (Apg 28,2)
Die Texte für die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2020 kommen aus Malta.
Weitere Infos auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz AGCK

8. Januar 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 2
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