«Wichtig ist mir der Mensch, egal welche Nationalität er hat.» Ante Corluka. Foto: Pia Neuenschwander

Wir profitieren voneinander

Ante Corluka ist Präsident des Missionsrates der Kroatischen Mission Bern. Er arbeitet als Sakristan in der Pfarrei St. Josef Köniz, und kennt also die Befindlichkeiten der Schweizer Pfarreien und seiner Mission. Wir beurteilt er dieses Verhältnis? Das «pfarrblatt» traf ihn in der Kroatenmission in Bern zum Gespräch.


«pfarrblatt»: Ante Corluka, was ist die Aufgabe eines Missionsrates?
Ante Corluka: Der Rat unterstützt den Missionar bei seinen Aufgaben. Das heisst, wir organisieren Erstkommunion, Firmung, den Missionstag im September, Jubiläen, Feste und Zusammenkünfte. Die Funktion ist zu vergleichen mit einem Pfarreirat in den Schweizer Pfarreien. Dann sind wir auch Drahtzieher für verschiedene Anlässe in der Mission, wie Fastensuppe oder Grillabend nach den Ferienoder St. Nikolaus im Dezember.

Was organisieren Sie zum Beispiel an einer Firmung?
Den Ordnungsdienst auf dem Parkplatz. Unsere Gemeinde kommt ja aus der ganzen Region zusammen. Dann Apéro vorbereiten, meist für bis zu 300 Personen. Im Gottesdienst selber die Ordnerdienste, zu den Menschen schauen, wenn es jemanden schlecht wird zum Beispiel.

Die Mission ist ja im ganzen Kanton tätig. Sind sie für alle Orte zuständig?
Nein, wir sind für Bern zuständig. Bern ist mitgliedermässig die grösste Gruppe. Pater Gjoko Zovko, unser Missionar, ist auch in Biel, Thun, Interlaken, Meiringen und Langenthal tätig. Thun und Langenthal haben eigene Missionsräte.

Wie viele Personen arbeiten im Rat mit?
Wir sind 16 Personen, 2 Frauen, 14 Männer. Dazu kommen einige Freiwillige, die je nach Anlass dazukommen. Wir tagen meist eine Woche vor den Anlässen, um die Arbeit möglichst unbürokratisch und praktisch anzupacken.

Wie viel Kroaten sind Mitglieder der Mission in Bern?
Die Mission hat etwa 1500 Kontakte, die sie anschreibt. Es gibt aber im Kanton über 8000 Kroaten. Die aktive Beteiligung liegt prozen-tual etwa im Durchschnitt der Schweizer Pfarreien.

Finden Sie immer genügend Mitglieder für den Rat?
Ich bin jetzt seit elf Jahren Präsident. Am Anfang achtete ich darauf, dass sich die Interessenten selber bei uns melden. Das funktioniert nicht mehr so von allein. Vor allem die jüngere Generation meldet sich nicht von selbst. So suche ich die Personen. Hauptberuflich arbeite ich als Sakristan in der Pfarrei St. JosefKöniz. Da ist die Nachfolge für die verschiedenen Gremien ja auch nicht immer einfach.

Die kroatischen Katholikinnen und Katholiken sind ja alle auch Mitglied einer Schweizer Pfarrei. Wie spielt das zusammen?
Früher hat man die Zusammenarbeit nicht so gesucht. Meine Generation war froh, einen Ort zu haben, der uns mit der Heimat, mit Bräuchen und Sprache in Verbindung brachte. Die jüngere Generation lebt das anders, freier. Sie ist gut integriert in der Schweiz. Weil uns Kroaten die Sakramente wichtig sind, bereiten sie sich in der Mission zwar für Erstkommunion und Firmung vor, sind aber wie alle anderen Jugendlichen keine Stammgäste mehr, weder hier noch in ihren Pfarreien. Die Bedürfnisse haben sich gewandelt.

Welche Bedürfnisse hatte Ihre Generation?
Ich kam 1991 in die Schweiz. Ich wuchs in Kroatien unter kommunistischer Herrschaft auf. Da wurden die Kirchen nicht vom Staat unterstützt. Unsere Priester wurden mit Spenden bezahlt. Wir waren als Katholiken sozusagen im Widerstand. Das hat uns zusammengehalten. Der Glaube war mir wichtig. Wir hielten die kirchlichen Traditionen hoch. Unserer Generation zum Beispiel ist die Beichte wichtig. Die jüngere Generation feiert das Busssakrament auch als Versöhnungsweg. Das hat nebeneinander Platz.

Vermissen Sie diesen von Ihnen erlebten Zusammenhalt bei den Schweizer Pfarreien?
Nein. Da wo ich die Schweizer Gläubigen erlebe, sind sie irgendwie ehrlicher im Umgang mit ihrer Kirche und sicher kritischer, als wir es waren. Als Sakristan in der Pfarrei Köniz erlebe ich beide Seiten. Wir profitieren voneinander, wenn wir gegenseitig offen sind. Die Begegnung und der Mensch stehen im Zentrum.

Sie selbst haben auch Fragen an die Kirche?
Klar, nur will ich nicht polarisieren. Was mich stört ist eine gewisse Doppelmoral, man lebt anders, als man predigt. Wichtig ist mir der Mensch, egal wie er ist, welche Nationalität er hat, welchen sozialen Status er hat, einfach der Mensch, wie er ist, ist mir wichtig.

Wie erlebten Sie die Schweiz 1991, fühlten Sie sich willkommen?
Am Anfang war es schwieriger. Wir wurden in den Medien als Ex-Jugoslawen bezeichnet. Zum Beispiel war Wohnungssuche damals schwierig. Heute empfinde ich das anders. Und die zweite Generation ist sprachlich und ausbildungsmässig heute gut integriert.

In der Mission leben Sie ja nicht nur den Glauben. Sie leben auch Kultur.
Ja, die Mission hat einen eigenen Kirchenchor. Dann stehen wir in Verbindung mit verschiedenen kroatischen Vereinen, die Tanz undMusik aus der Heimat pflegen. Weit herumbekannt ist der Chorus Croatikus. Eine Tanzgruppe übt bei uns in St. Josef Köniz und tritt ab und zu an Festen in der Pfarrei auf.

Wie ist das Verhältnis des Missionsrates zu seinen Missionaren?
(Schmunzelt). Das ist immer individuell zu beurteilen. Ich pflege ein gutes Verhältnis mit dem Missionar. Wir begleiten ihn aber kritisch, bringen uns ein. Wir pflegen eine gesunde Kommunikation. Und Pater Gjoko hört auch auf uns. Gut, manchmal braucht es Kompromisse (lacht). Wir finden sie gemeinsam. Er ist seit 12 Jahren im Amt. Wir kennen uns.

Was wünscht sich der Missionsrat von der Berner Kirche, damit Ihre Aufgaben weiterhin gut gelingen können?
Wir stehen ja vor einem Ortswechsel. Es ist geplant, unseren bisherigen Standort, die Kirche Heiligkreuz, zu verkaufen. Auf diesen Wechsel hin wünsche ich mir Verständnis dafür, dass es uns wichtig ist, die Mission zu erhalten. Wir sind keine Konkurrenz zu den Pfarreien, wir sind eine Ergänzung. Wir profitieren voneinander. Das finde ich sehr wichtig.

Ante Corluka, herzlichen Dank für das Gespräch.

Interview Jürg Meienberg

Katholische Kroatenmission Bern
Kontakt: Zähringerstrasse 40, 3012 Bern, Telefon 031 302 02 15
hkm.bern(at)bluewin.ch
www.hkm@bern.ch
Leitung: Pater Gojko Goya Zovko; Mitarbeiterin: Ruža Radoš

 

 

8. Februar 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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