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Details einer Krippe von Uta Schwab aus der aktuellen Krippenausstellung im Pfarreizentrum der Kirche Dreifaltigkeit Bern Foto: Pia Neuenschwander

Woher kommt die Weihnachtskrippe?

In der Kindheit lagen am Heiligabend unter dem Christbaum nicht Geschenke, sondern eine Krippe: Maria, Joseph, das Jesuskind, Ochs, Esel, Schafe mit Hirten bevölkerten die Szene, bis auch die Heiligen Drei Könige hinzukamen.

Vor dem höhlenartigen Stall leuchtete geheimnisvoll ein Feuerchen. Vater hatte unter einem von Miniatur-Feuerholz belegten roten Quadratzentimeter Stoff das Lämpli einer Taschenlampe montiert, dessen Batterie versteckt im Hintergrund lag. Der Christbaum war schön, aber nicht so wichtig wie die Krippe! Hier geschah die Weihnachtsgeschichte. Der Blick wanderte immer zu den kleinen Holzfiguren und zu ihrer Geschichte voller Licht in dunkler Nacht. Mit sphärischen Glöckchen und Liedern, die nur jetzt gesungen wurden. Noch heute machen mich Krippen ganz andächtig.
Die Visualisierung der Geburt Jesu durch eine inszenierte Krippe trifft ins Herz menschlicher Vorstellung. Mit kleinen Figuren und geschnitzten Tieren spielen Kinder, seit es Menschen gibt – bis heute, wo unzählige Playmobil-Figuren die Kinderzimmer beleben. Die Wirkung der archetypischen Szene nutzte der Überlieferung nach Franz von Assisi im Jahr 1223 in Greccio. Hier liess er das erste Mal das Weihnachtsevangelium in Form einer lebenden Krippe darstellen. Dass die heilige Messe mit Tieren und in einer Stallhöhle mit echter Krippe gefeiert wurde, zeigt den Sinn des Franziskus für Anschaulichkeit und Theatralik. Diese Abwandlung alter Mysterienspiele wurde rasch übernommen, etwa als bildliche Darstellung in Klöstern und Kirchen. Franziskaner und Jesuiten nutzten die Krippe in der Katechese. Die im 17. Jahrhundert in Südamerika gegründeten Bethlehemiten trugen bei ihrer Arbeit in Spitälern und Schulen die Krippe gar als symbolisches Bild auf der rechten Brust ihres Ordenskleids.
Seither hat sich die weihnächtliche Darstellung der Krippe über die ganze Welt verbreitet. Diese Imagination macht uns auf kindliche Weise zu Mitspielern der Weihnachtsgeschichte und wir tauchen auch dank ihr tief ein ins Geschehen der Heiligen Nacht.

Christina Burghagen Karl Johannes Rechsteiner

25. November 2015
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