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Die Pastéis de Belém ist ein besonderes Eierdessert aus Portugal. Wie ist das Rezept entstanden und vor allem, was hat das alles mit dem geweihten Leben zu tun? Foto: zVg

Wohin im Kloster mit all den Eidottern?

Im Hieronymuskloster von Belém in Lissabon – heute ein Weltkulturerbe – gabs vor 180 Jahren ein Problem: Die Nonnen brauchten zum Stärken ihrer Hauben grosse Mengen von Eiweiss, die Klosterküche hatte ständig zahllose Eidotter übrig. Darum wurden dort besondere Eiercremetörtchen erfunden, die Pastéis de Belém.
Weil Klöster damals keine weltlichen Geschäfte betreiben durften, ging ein schlauer Mönch mit dem Rezept zur benachbarten Zuckerraffinerie. 1837 wurden dort im Ladenlokal die ersten Törtchen verkauft. Der Ansturm war so gross, dass die Zuckerbäcker die Zubereitung geheim hielten – bis heute, wo in der Confeitaria jeden Tag 20 000 Törtchen gebacken werden. Mit Zimt bestreut schmeckt die süsse Eiersahnecreme auf dem knusprigen Blätterteig einfach göttlich. Schon nach dem ersten Bissen ist klar: Das verlangt nach mehr.
Nur Chef Miguel Clarinha und seine zwei Chefkonditoren kennen das Rezept und dürfen deshalb nie gleichzeitig in den Urlaub fah ren. Spitzbübisch verrät Clarinha, man brauche Mehl, Zucker, Eier, Milch und Butter. Das sei alles. Es komme auf das Mischungsverhältnis und die Temperatur an. Das allerdings ist so geheim, dass die Eiercreme hinter verschlossener Tür angerührt wird.

Hier ein mögliches Rezept für die göttlichen Törtchen, falls auch Sie viel Eiweiss fürs Stärken ihrer Weisswäsche brauchen:
180 g Zucker, 2 Esslöffel Mehl, 8 Eigelb, 5 dl Rahm, 1 Prise Salz, abgeriebene Schale von 1 Zitrone verquirlen.
In einem Topf kurz aufkochen, ständig rühren.
In einer Schüssel lauwarm auskühlen.
Mit Klarsichtfolie abdecken, damit keine Haut entsteht.
12 Muffinförmchen mit 500 g Blätterteig auslegen und andrücken.
Creme bis 1 cm unter den Rand in Förmchen füllen.
Ofen auf 250 Grad vorheizen, in der Mitte 10 bis 12 Minuten backen.
Oberfläche soll karamellisieren.
Auf Gitter auskühlen lassen und mit Zimt bestreuen. Fertig!

4. November 2015