Worte des Bischofs

Lebens- und Beziehungssituationen sind manchmal ziemlich konfus. Deshalb bedarf es zunächst einer schnörkellosen Analyse des Ist-Zustandes. Es braucht den unverstellten Blick auf die Wirklichkeit, so wie sie ist. Denn «die Wirklichkeit steht über der Idee», heisst es schon in «Evangelii gaudium».

Nehmen wir den Sakramentenempfang für Personen in einer nicht regulären Situation. Zwei gute Optionen stehen zur Wahl. Es ist gut, die Normen und Regeln zu anerkennen, weil sie sinnvoll sind und Orientierung geben. Man verzichtet auf das Sakrament (Option 1). Es ist gut, dass man sich durch das Sakrament stärken lässt, denn die Kranken brauchen den Arzt, nicht die Gesunden (Option 2). Was ist zu tun? Die Betroffenen, allein und zusammen, aber immer vor Gott und im Gebet, fragen sich, in welcher Situation sie sind und welche «Geister», also Motivationen sie antreiben.
Der Papst nennt zwei Kriterien:
1. Lebe ich in der Gnade Gottes?
2. Kann ich lieben? Und hilft mir das Sakrament, in beidem zu wachsen?

Das ist nicht einfach. Es betrifft neben der einzelnen Person ebenso das Umfeld und die Gemeinschaft der Kirche. Richtschnur ist die Barmherzigkeit, keine einfache oder schnelle. Sie ist «erbetet», gerecht und beleidigt niemanden. Sie vertieft den Glauben und die Liebe.

+Felix Gmür, Bischof von Basel

20. April 2016
erstellt von «pfarrblatt»
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