Das Wort, die Schrift. Foto: obeyleesin / photocase.de

Wortgottesfeier, die -

Was verstehen Sie unter einem Gottesdienst? In vielen Köpfen, gerade in städtischen Pfarreien, steckt sicher immer noch das Bild der Heiligen Messe, geleitet vom Priester, als einzig wahre Form des Gottesdienstes.

Die Realität sieht aber anders aus. Der Priestermangel führt in vielen Gemeinden dazu, dass nicht mehr jede Woche Gottesdienst gefeiert werden kann – jedenfalls nicht mehr in Form der priestergeleiteten Eucharistiefeier.

Die Wortgottesfeier ist seit dem 2. Vatikanischen Konzil und der damit einhergehenden Liturgiereform eine valable Alternative für Gemeinden, die selten Eucharistie feiern wollen oder können. Bei der Wortgottesfeier stehen nicht das Abendmahl und somit die Erinnerung an Leiden und Tod Christi im Zentrum, sondern das Wort Gottes – die Schrift.

In Struktur und Ablauf erinnert die Wortgottesfeier sehr an eine Eucharistiefeier. An die Stelle des Abendmahls treten aber Lesung und Gebet. Die Wortgottesfeier kann von jedermann und jederfrau geleitet werden – so kann durchaus selbstgeleitetes Feiern möglich sein, ohne Priester.

In vielen Gemeinden herrscht immer noch eine priesterzentrierte, sehr hierarchische Gemeinschaft, ganz nach dem Motto: ohne Priester keine Gemeinde. Das war aber nie im Sinne Jesu. Er war, anders als die Pharisäer seiner Zeit, kein Anhänger des überhöhten Priestertums, sondern sagte: «Wo immer ein paar von euch in meinem Namen versammelt sind, da bin ich unter euch» – Priester hin oder her.

Explizit wird in der Liturgiekonstitution festgehalten, dass die Wortgottesfeier der Eucharistiefeier nicht nachsteht. Es steht zwar nicht das gemeinschaftliche Abendmahl im Zentrum, sondern das Nachdenken über die Bibel. Aber das Wort Gottes und die Botschaft Christi zu hören, und das muss betont werden, ist für das Christsein genauso elementar.
Natürlich ist die Eucharistie die Basis der christlichen Gemeinschaft. Die Teilnahme an der Eucharistie allein macht aber leider noch keinen guten Christen.

Wer das meint, hat die Botschaft Jesu nicht verstanden.

Sebastian Schafer


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2. Mai 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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