Es ist Zeit, sich auf das Wesentliche zu besinnen.

Zeiten zum Hassen und Lieben

Ich hasse den November. Kalte, nebelige und feuchte Tage folgen beharrlich aufeinander. Und kein wachsendes Gras, kein farbiges Blatt, keine Blume, nur Graues. Ich bestreite keineswegs, dass der November Platz im Gottesplan hat, dass er unter fernem Himmel auch ein freundlicheres Gesicht zeigt. Egal: Ich hasse den November und beneide manchmal überwinternde Geschöpfe.

Aber auch im November gibt es Lichtfunken. Ich bin einem solchen an einem regnerischen Frühabend auf der Strasse begegnet, als mich ein junger Mann freundlich bat, das Referendum gegen die Verschärfungen des Asylgesetzes zu unterschreiben. Ich hatte dazu noch kaum eine Meinung; auch weiss ich nicht, ob die taktischen Überlegungen der SP Schweiz und einiger Hilfswerke, die das Referendum nicht unterstützen – eine Niederlage vor dem Volk wäre Asylsuchenden noch weniger dienlich – überzeugen. Sicher ist: Die Unternehmung ist aussichtslos.

Es gibt aber trotz allem Menschen, die sich ohne Kalkül für ein unbeliebtes Thema (mit legalen Mitteln) engagieren; die für ihr Ideal wahrlich im Regen stehen … Erfolg gibt es keinen zu ernten!

Dank diesem jungen Menschen begann die Adventszeit etwas früher. Nach der Zeit zum Hassen kommt die Zeit zum Lieben. Die Zeit, sich zurück auf das Wesentliche zu besinnen, eine Zeit mit Lichtern, Düften, Farben und Tönen, eine Zeit für Mitmenschen, auch für diejenigen, die den Vorstellungen der Gesellschaft – egal aus welchen Gründen – nicht entsprechen. Eine Zeit zum Feiern: Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab (Joh 3,16). 

Anne Durrer, Mediensprecherin Santésuisse. Autorenportraits

12. Dezember 2012