Ein gutes Team: Priester Albert Jakaj und Sakristan Giovanni Gjokaj. Foto: Pia Neuenschwander

«Albanisch sprechende Katholik*innen sind eine Minderheit – aber es gibt uns.» Foto: Pia Neuenschwander

Zu Gast in Zollikofen

Seit einem halben Jahr kümmert sich Priester Don Albert um die albanischen Katholik*innen im Kanton Bern. Sie geniessen in Zollikofen Gastrecht. Als Ansprechpartner fungiert Sakristan Giovanni Gjokaj – ebenfalls Albaner.

Von Marcel Friedli

Ein sonniger Sommernachmittag im Pfarreihaus Zollikofen. Eine Freiwillige mit Mundschutz hantiert in der Küche. Es ist Donnerstag, das Sommercafé ist wieder offen. Gemütlich sitzen die Leute an den Tischen im Garten, plaudern, nippen an ihrem Kaffee. Dann taucht er auf: Albert Jakaj, den die meisten Don Albert nennen. Er kommt gerade aus dem Deutschkurs, den er mit sechs anderen besucht. «Ich freue mich, sie wiederzusehen und vor Ort in der Gruppe Deutsch zu üben. So macht es mehr Spass. Auch wenn ich froh bin, dass der Kurs trotz Corona weitergeführt werden konnte, der Technik sei Dank.»

Der Deutschkurs ist eine der Gelegenheiten, die ihm zu Kontakten ausserhalb der albanischen Gemeinschaft verhelfen. «Hie und da löst es Verwunderung aus, dass ich katholisch bin. Die meisten denken, alle Albaner*innen und Kosovar*innen seien Muslim*innen. Katholik*innen sind zwar eine Minderheit – aber es gibt uns.»

Messe im Büro

Eine Minderheit sind die Albanisch sprechenden Katholik*innen auch in der Schweiz. Don Albert ist Ansprechperson für sie, auch im Kanton Bern. Hier in Zollikofen feiert er für die Katholik*innen der Region zweimal pro Monat die Messe und ist ihr Mann für die ganze Aufgabenpalette eines Priesters: Seelsorge, Taufe, Hochzeiten, Messen etc. Zudem besucht er auf Wunsch albanische Familien und segnet deren Zuhause. «Jeweils so warmherzig aufgenommen zu werden, fast wie ein Familienmitglied, das berührt mich sehr.»

Viele albanische Familien in der Region Bern hat Don Albert vor Corona kennengelernt. So war ein Anknüpfungspunkt bereits da, wenn sie sich während des Lockdown mit ihren Sorgen an ihn wandten: per Telefon und Mail, via Zoom, Facetime etc.

In dieser Zeit hat Don Albert die Messe gefeiert; jedoch nicht via Video und Livestreaming. Dies, weil es in Aarau, wo er wohnt, keine Möglichkeit gibt, in einer Kirche zu zelebrieren. «Und von einem Büro aus, mit Computer und Drucker im Hintergrund, ist es nicht passend. Wir feierten die Messe im kleinen Kreis und verbanden uns mit allen Menschen, die zur albanischen Gemeinschaft gehören – wir feierten die Messe für sie. Zudem verwiesen wir auf das Programm von Radio Maria, wo Messen in albanischer Sprache gefeiert wurden. Dieser Tipp wurde ausgiebig beherzigt.»

Don Albert freut sich, dass er nun wieder Messen halten darf: mit den Menschen vor Ort. Die Kirche in Zollikofen wurde jedoch zu klein, weil manche Bankreihen aufgrund der Abstandsregeln abgesperrt werden und nicht wie üblich gefüllt werden konnten. «Darum wichen wir auf die katholische Kirche in Wünnewil aus, wo fast alle Platz fanden.» Er freut sich darauf, wenn es wieder möglich ist, die Kirche in Zollikofen zu benützen.

Wertvolle Erfahrungen

Seit die Leute wieder mehr in Aktion sind, sich das Leben wieder regt, ist Don Albert viel unterwegs, mit dichtem Programm im weitverzweigten Gebiet. «Eine grosse Aufgabe. Anspruchsvoll, bereichernd», sagt er. «Die Erfahrungen hier in der Schweiz werden mir helfen, wenn ich später anderswo wirken werde.» Wo das sein wird, weiss er nicht – wie er vorher ebenso nicht wusste, dass er dereinst in der Schweiz arbeiten würde. Er wurde vom Bischof in Pristina angefragt. So liess Don Albert seine Familie zurück, auch seinen Zwillingsbruder. «Er ist übrigens ebenfalls Priester», sagt Don Albert und schmunzelt.

Mit ihm ist er in einem katholischen Umfeld aufgewachsen, mit den Riten, die Teil seines Lebens waren; er war Ministrant und verbrachte als Jugendlicher viel Zeit in der katholischen Kirche und in kirchennahen Organisationen. Dabei bekam er mit, dass der Priester einen hohen Stellenwert hat. Er verdeutlicht dies mit einem Beispiel aus dem Ende der 1990er-Jahre, Stichwort Kosovo-Krieg: «Es herrschte Willkür. Es war gefährlich – auch für einen Priester. Damit unser Priester nicht allein sein musste, ging mein Vater zu ihm, um so zu dessen Schutz beizutragen.»

Glückliche Fügung

Auch Don Albert kann hier auf ein Team zählen, das ihn unterstützt. Seine Kontaktperson in Zollikofen ist Giovanni Gjokaj, selber Albaner. Seit fast vierzig Jahren lebt er in der Schweiz und arbeitet seit neun Jahren als Sakristan und Hauswart in der Pfarrei Zollikofen. Hier zieht er die Fäden, organisiert Anlässe – auch für die albanische Gemeinschaft: So ist im Herbst eine Pilgerreise nach Flüeli-Ranft geplant.

Früher hat Giovanni Gjokaj als Kellner und in einer Fabrik gearbeitet. In der Pfarrei Zollikofen ist er durch Fügung gelandet. «Als ich auf der Suche nach Arbeit war, erfuhr ich, dass hier diese Stelle als Sakristan frei werde. Nun arbeite ich in einem Umfeld, das auf mich zugeschnitten ist, denn ich habe Theologie studiert.» Giovanni Gjokaj ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. «Sie sind bestens integriert, wie viele Albaner*innen der zweiten und dritten Generation. Sie haben oft studiert und gehen hier ihren Weg.»


Vielfältige Sprachgemeinschaften

Rund vierzig Prozent der Katholik*innen in der Schweiz haben im engeren oder weiteren Sinn einen Migrationshintergrund. Hierzulande gibt es drei Albanisch sprechende römisch-katholische Sprachgemeinschaften. Sie umfassen rund 25 000 Albaner*innen, die an 31 Orten Gottesdienste feiern. Im Kanton Bern tun sie dies alle vierzehn Tage, meist in Zollikofen. Die albanische Gemeinschaft agiert von Aarau aus und ist Mutter Teresa gewidmet. Kaplanei, Mission und Personalpfarrei sind die verschiedenen Ausprägungen von Sprachgemeinschaften. Im Kanton Bern gibt es vier Missionen: die spanische, die portugiesische, die italienische und die kroatische. Eine Mission hat eine andere Rechtsform; sie ist grösser und einer Pfarrei ähnlicher als eine Sprachgemeinschaft und verfügt zum Teil über eine eigene Infrastruktur. Zum Beispiel werden Taufen, Firmungen, Hochzeiten meistens in eigenen Büchern eingetragen; im Unterschied zu den Sprachgemeinschaften: Dort erfolgt der Eintrag am Ort, an dem das Sakrament erteilt worden ist. Mission ist ein traditioneller Begriff aus dem Kirchenrecht. Tendenziell benutzt man den Überbegriff Sprachgemeinschaft. Dies mit der Idee, dass sie für alle offen ist, die sich einer solchen zugehörig fühlen.
Zurzeit wird an einem Konzept gearbeitet, bei dem es um die Seelsorge von Migrant*innen sowie um die Organisationsform geht. Das Konzept soll Ende Jahr verabschiedet und ab 2021 umgesetzt werden. Die Idee ist ein vermehrtes interessiertes Miteinander der diversen katholischen spirituellen Kulturen, wobei auch das wertschätzende Nebeneinander den angemessenen Platz haben soll. Federführend und beratend, aber nicht weisungsbefugt ist dabei Migratio, eine Fachstelle der Schweizer Bischofskonferenz.
www.migratio.ch
www.kathbern.ch (Rubrik: Pfarreien, Seelsorge)
 

21. Juli 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 16
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