«Caritas Perspektive» ist ein Pilotprojekt zur Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen. Foto: Urs Siegenthaler

Zuerst kommt die Arbeit

Ein Pilotprojekt zwischen dem Kanton Bern und privaten Investoren hat zum Ziel, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene (VAs) schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Die Caritas Bern funktioniert als Leistungserbringerin und beschreitet damit inhaltlich und finanziell neue Wege.


Die Statistiken belegen es: Im Kanton Bern ist die Erwerbintegrationsquote von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen (VAs) tiefer als in anderen Kantonen. Die Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) hat deshalb ein Pilotprojekt lanciert. Ziel: Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene sollen schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden. Es gilt der Grundsatz «First place, then train». Im Vordergrund steht also die rasche Integration in den Arbeitsmarkt – die Begleitung der Flüchtlinge mit schulischen und anderen Unterstützungsmassnahmen erfolgt parallel.
Dabei wird ein neuartiger Finanzierungsmodus angewendet: Erstmals finanzieren Private eine soziale Dienstleistung der öffentlichen Hand vor. Im Erfolgsfall erzielen die Investoren eine Rendite, ansonsten erleiden sie einen finanziellen Verlust. Caritas Bern hat den Zuschlag als Leistungserbringerin erhalten und wird das Projekt über die kommenden Jahre umsetzen.

Inhaltlich neuer Ansatz
Nicht nur der Kanton, auch die Caritas Bern beschreitet mit dem Projekt, dem sie den Namen «Caritas Perspektive» gegeben hat, neue Wege. Während sich die Begleitung der Stellensuchenden in bisherigen Arbeitsintegrationsprojekten auf wenige Wochen nach einem Vertragsabschluss beschränkt, ist diese bei «Caritas Perspektive» langfristig angelegt. Die Begleitung der Flüchtlinge liegt bei einer coachenden Per son. Und Caritas Bern unterstützt nicht nur die Stellensuchenden, sondern auch die Betriebe. Hierzu gehören Hilfe im Umgang mit Behörden, das frühe Bearbeiten von Arbeitskonflikten oder Übersetzungshilfen. Dank diesen Massnahmen hofft Caritas, Unternehmen verstärkt dazu zu bewegen, Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene einzustellen.

Finanzielles Neuland
Mit «Caritas Perspektive» betritt Caritas Bern aber nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell ein unbekanntes Feld. Die Bonus-Malus-Vereinbarung gilt nicht nur zwischen Kanton und Investoren, sondern in abgeschwächter Form auch zwischen Kanton und Leistungserbringerin. Der Bonus/Malus beläuft sich für die Caritas Bern auf maximal 1,5% der gesamten Programmkosten und wird am Ende der Programmdauer ausbezahlt oder vom Kanton zurückbehalten. Caritas Bern scheint es angezeigt, auch bei der Finanzierung neue Wege zu gehen, wenn damit die Integration von Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen verbessert werden kann.

Oliver Lüthi

Zum Caritassonntag lesen Sie auch "Geboren in einer Oase ohne Trinkwasser"

«Caritas Perspektive»: Wer kann sich melden? «Caritas Perspektive» richtet sich an Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommene. Also an Personen, mit B-, C- oder F/F-VA-Ausweis. Interessierte können sich bei der Caritas Bern, Telefon 031 378 60 23, melden. Die Caritas Bern stellt einen Flyer und Merkblätter in mehreren Sprachen zur Verfügung. Die entsprechenden Informationen können von der Website der Caritas Bern, www.caritas-bern.ch, heruntergeladen werden. Dort findet sich auch ein Anmeldeformular für «Caritas Perspektive».

26. August 2015