Vom Thurgau ins Emmental. Benedikt Wey ist neuer Pfarradministrator in Burgdorf. Foto: Andreas Krummenacher

«Zuhören und erzählen.»

Benedikt Wey (39) ist seit April Pfarradministrator in Burgdorf. Der gebürtige Luzerner beschreibt die Stimmung im Pastoralraum als überaus gut, die Prozesse würden am Anfang stehen, man müsse sich jetzt finden und kennenlernen. Der Priester ist zusammen mit Azzurro im Pfarrhaus eingezogen – einem wachsamen italienischen Trüffelhund.

«pfarrblatt»: Sie waren Stadtpfarrer von Frauenfeld. Wieso der Wechsel ins Emmental?

Benedikt Wey: In Frauenfeld betreuten wir mit einem wirklich kleinen Team 14 000 Pfarreiangehörige seelsorgerisch. Ausserdem galt es, 60 kirchliche Angestellte zu führen. Da bleibt keine Zeit für vertiefte Begegnungen.
Ich erlitt schliesslich eine Hirnblutung und konnte so nicht weitermachen. Ich äusserte den Wunsch, die Stelle zu wechseln, obwohl es mir in Frauenfeld sehr, sehr gut gefallen hat. Die Verantwortlichen im Personalamt des Bistums machten mir Vorschläge, ich wählte Burgdorf. Ich schätze die Region, habe ich doch vor zehn Jahren die priesterlichen Dienste in Konolfingen, Wabern und Münsingen gemacht.

Was ist ihr persönlicher Hintergrund?

Ich komme aus dem luzernischen Neudorf, habe in Beromünster die Matura gemacht. Aufgewachsen bin ich auf einem Bauernhof. Ich habe immer viel und gerne geholfen. Das ist übrigens bis heute mein grösstes Hobby und mein Ausgleich. Ich habe auf dem elterlichen Bauernhof noch eigene Ziegen und jetzt gerade habe ich geholfen, Sturmschäden im Wald zu beseitigen. Ich kann da vieles verarbeiten.
Deshalb ist mir die Kultur des Emmentals auch nicht fremd.
Ich kann aber, weil ich erst kurz da bin, Katholisch-Emmental noch nicht beurteilen. Ich bin noch ein wirkliches volkskirchliches Produkt. Ich habe früh ministriert, der Besuch der Messe war natürlicher Teil des Wochenablaufs. Wir hatten einen Kaplan, der mich sehr beeindruckt hat. Er war mit den Menschen unterwegs, lebte mit ihnen, ein wirklicher Seelsorger.
Dieser Kaplan hat mein Priesterbild sehr geprägt.

Können Sie Ihren Weg zu eben diesem Priestertum skizzieren?

In der 4. Klasse am Gymnasium wurde mein Vater sehr krank. Mein Schwerpunkt verlagerte sich auf den Bauernhof. Die Noten wurden schlechter. Noch in der Primaschule sagte mir der besagte Kaplan, dass ich einmal Priester werde, ich müsse diesem Gedanken jedenfalls nachgehen. Das liess mich nie mehr los.
Ich habe mir in dieser Zeit gesagt, sollten sich die Noten verbessern, werde ich mit dem Gymnasium weitermachen, andernfalls werde ich Bauer. Die Noten wurden dann besser. Ich begann in Luzern tatsächlich mit dem Theologiestudium. Das Priestertum liess ich da noch offen. Berufung ist ja meistens etwas, das wächst. Es hat mit diesem Rufen zu tun. Einerseits Gott zu spüren, aber auch den Ruf der Menschen.
Der Studienabschluss erfolgte in Rom. Und dann muss man sich irgendwann entscheiden; die Auslegeordnung führte schliesslich zur Priesterweihe.

Wie muss ein Priester heute idealerweise sein?

Besser als der liebe Gott (lacht herzhaft)! Die Erwartungen der Menschen sind riesig. Übrigens an alle, die in der Seelsorge tätig sind. Die Leute wollen einen super Organisator, einen super Seelsorger, du musst wunderbare Messen feiern, gehaltvolle Predigten halten – kurz, das ist unmöglich. Wir alle haben Stärken und Schwächen.

Und was für Vorstellungen zum Priesterberuf hat Benedikt Wey?

Wir sind in der Nachfolge Jesu. «Ich bin der Ich bin da›», sagt Jahwe im Alten Testament. Das hat auch Jesus verkörpert. Da zu sein, wenn ich gebraucht werde. Gleichzeitig muss ich aber auch abgeben können. Ich muss mir eingestehen können, wenn meine Grenze erreicht ist.

Welche Theologie liegt Ihnen nahe?

Ich bin schon sehr ignatianisch geprägt. In Rom studierte ich an der von Jesuiten geführten päpstlichen Universität Gregoriana. Liturgiewissenschaft studierte ich am päpstlichen Athenäum St. Anselmo. All die Jahre in Rom wohnte ich im Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum, einem Priesterseminar, das ebenfalls von Jesuiten geführt ist. Das «Gebet der liebenden Aufmerksamkeit»*  ist mir am Ende des Tages sehr wichtig.

Wie entwickelt sich die Kirche für Sie idealerweise weiter?

Der beste Gottesbeweis, trotz des Bodenpersonals – die Kirche lebt seit 2000 Jahren. Jedes andere Unternehmen wäre schon längst abgewickelt (lacht herzhaft, Anmerk.).
Im Ernst: Die Kirche verliert vielleicht an Bedeutung, punktuell aber sind wir immer gefragt. Es geht darum, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Die Gesprächsbereitschaft seitens der Kirche ist enorm wichtig. Zuhören und erzählen, darum geht es, dann kommt der Glaube auch bei den Menschen an.

Was erwarten Sie von den Menschen, von den Gläubigen?

Dass wir den Glauben miteinander teilen, aber nicht in einer sturen Uniformität. Wichtig sind nicht die Etiketten, wichtig ist, dass man sich respektiert und einander annimmt, wie man eben ist.

Interview: Andreas Krummenacher


Beneditk Wey: Geboren am 31. Januar 1979, aufgewachsen in Neudorf LU, Matura in Beromünster LU. Studium Theologie, Liturgiewissenschaft in Luzern und Rom. Priesterweihe 2006 in Rom.

Pfarrei Burgdorf

*Gebet der liebenden Aufmerksamkeit
... der Tagesrückblick nach Ignatius von Loyola. – Nehmen Sie sich 10 bis 15 Minuten Zeit. Suchen Sie sich einen Platz, an dem Sie ungestört sind. Kommen Sie zur Ruhe, auch mit dem Körper.
1. Danken Sie Gott für das eigene Geschöpfsein und für Seine Gegenwart in Ihrem Leben.
2. Bitten Sie Gott, sich und den Tag ehrlich anschauen zu können.
3. Gehen Sie den Tag (z.B. Stunde um Stunde) durch. Erinnern Sie sich - ohne zu werten - an Ihre Tätigkeiten, Begegnungen, Gefühle, Gedanken usw. Wo empfinden Sie Freude und Trost? Wo empfinden Sie Ärger oder Unzufriedenheit; was war schmerzlich oder enttäuschend?
4. Sprechen Sie mit Gott: Danken Sie für alles, was gut und gelungen war. Bitten Sie um Trost oder Versöhnung für das, was dunkel oder schuldhaft war. Vertrauen Sie sich mit allem Gottes Liebe an.
5. Schauen Sie auf den nächsten Tag: Was haben Sie vor? Vertrauen Sie Gott Ihre Hoffnungen und Befürchtungen an.
6. Schließen Sie mit einem Vaterunser

24. Januar 2018
  • Pfarrblatt / Angelus