Fabel oder Fakt? Wahrheit oder Vision?

Es ist Frühling 2021. Was hat die Kirche aus der Corona-Krise gelernt? Verschiedene Autor*innen blicken auf 2020 zurück und zeigen auf, wie sich die Kirche bis dahin entwickelt hat. Ein Gedankenexperiment.

Foto: iStock/oatawa

Sich neu erfinden

von Jacqueline Keune, Theologin

Wieder ist April, wenn auch ein kälterer und nässerer als letztes Jahr. Warum ich mich so genau erinnere? Weil April 2020 jener war, in dem dieses Virus die Einen von uns tagelang auf dem warmen Balkon hat sitzen und die Anderen bis zum Umfallen hat schuften lassen.

Die Welt danach
Wieder ist ein Jahr vorbei. Die Überschriften aber, die habe ich noch immer vor Augen. «Die Welt danach wird eine andere sein» und «Danach wird nichts mehr so sein wie zuvor». Habe ich sie schon damals ungläubig gelesen, so kommen sie mir heute noch unwirklicher vor. Alles anders wegen ein paar Wochen Zwangspause?

Damals wie heute: Kommunikation auf Augenhöhe gefällt. Foto: Adolfo Felix, unsplash.com

Zurück in die Zukunft: Pfarreibrief 2021

von Anne Burgmer, Theologin und Pfarreiseelsorgerin


Liebe Pfarreimitglieder
der neuen Pfarrei Theresa von Avila

Dieser rückblickende Pfarreibrief ist allgemeiner gehalten als sonst. Die Mitteilungen zu Veranstaltungen, die Namen der Verstorbenen sowie andere Informationen finden Sie am Schluss, oder – falls Sie den Podcast hören – ab Minute 23. Den Kinder- und Jugendbrief/-podcast gibt es wie immer separat – diesen Monat führten die Minis Regie. Falls Sie Unterstützung bei technischen Fragen benötigen, finden Sie alle Kontaktdaten der Generationengruppe auf der Pfarreiwebseite.

Es kommt ein Schiff, geladen (...), das Segel ist die Liebe, der Heilig Geist der Mast. Foto: Chiharu Shiota, japanischer Pavillon, Kunstbiennale Venedig 2015. kr

Ein Jahr lang Pfingsten feiern

von Lukas Fries-Schmid, Theologe, www.sonnenhuegel.org

Plötzlich sind die Kirchen leer. Es finden keine öffentlichen Gottesdienste mehr statt. Das ist bedauernswert. Aber auch eine Chance. Denn: Die Kirchen sind schon lange leer. Seit Jahrzehnten ist der regelmässige Gottesdienstbesuch am Sonntag für die Meisten eher die Ausnahme als die Regel. Dass man inmitten einer Krise an Altem festhält, ist zwar weit verbreitet, aber nicht hilfreich. Darum erstaunt es mich, wieviel Energie gerade jetzt darin investiert wird, den Sonntagsgottesdienst aufrechtzuerhalten oder wieder in Gang zu bringen. Zuerst die «Privatmessen» und Livestream aus leeren Kirchenhallen. Nun aufwändige Schutzkonzepte und Gottesdienste mit Zugangsbeschränkungen – als ob wir nicht seit Jahren die vielen leer gebliebenen Plätze in den Kirchen beklagen.

Gottesdienst im kleinen Kreis. Foto: Sylvia Stam

«Wir brauchen eine hörende Kirche»

von Sylvia Stam, Journalistin

Ein Donnerstagabend im April 2021. Peter Meyer, priesterlicher Mitarbeiter einer Pfarrei, ist auf dem Weg zu Familie Müller. Er wurde eingeladen, das wöchentliche Gebet am Donnerstag in der Familie mitzufeiern. Frau Müller zündet eine Kerze an und stellt sie vor das Fenster. Was zu Beginn des Lockdown von den Landeskirchen als Zeichen der Verbundenheit ausgerufen wurde, hat sich als festes Ritual in der Familie etabliert: Gemeinsam beten sie ein Vater-und-Mutter-Unser, singen ein Lied, formulieren reihum eine Fürbitte. Für den depressiven Arbeitskollegen, für die Eisbären, die unter der Klimaerwärmung leiden, für eine gute Note in der Französisch-Prüfung.

Essensverteilung an Bedürftige in Genf, 2. Mai 2020. Foto: Keystone

Unter neuen Bedingungen glauben lernen

Vom Team der Fachstelle Religionspädagogik Bern

Ein Jahr ist seit dem grossen Lockdown vergangen. Fast genauso lange hat es gedauert, bis die Welt zu einem einigermassen regelmässigen Alltag zurückgefunden hat. Zuvor blieben die Schulen Monate lang geschlossen und Versammlungen waren ebenfalls untersagt. Für kirchliche Angestellte ein Gau: keine Gottesdienste, keine Gemeinde bildenden Anlässe, keinen Religionsunterricht …
Diesen Frühling 2021 aber kann das Team der Fachstelle Religionspädagogik wieder gemeinsam in eine zweitägige Retraite fahren. Wir haben viel zu tun. Unser Arbeitsfeld ist in Bewegung und vieles will neu gedacht werden. Das war vor der Corona-Krise schon so. Doch Corona verlangsamt und beschleunigt Entwicklungen gleichermassen. Für uns eine grosse Herausforderung!

Erkennen, was wichtig ist. Foto: astrosystem/stock.adobe.com

Wir erkannten ..

Von Dr. Andreas M. Walker, Zukunftsforscher

Endlich können wir im Mai 2021 in unserer Pfarrei wieder eine Erstkommunion im gewohnten Rahmen feiern, endlich können wir wieder gemeinsam Eucharistie feiern, zwar nicht am Weissen Sonntag, da dort noch Versammlungsverbot galt, aber immerhin zu Pfingsten. Wie schön ist doch diese Idee, dass wir die Erstkommunion des letzten und dieses Jahrganges auf diesen Tag gelegt haben, diesem ersten gemeinsamen Pfarreigottesdienst nach der zweiten Welle von Covid-19.
Diesen Frühling 2021 kam endlich der Durchbruch, eine Impfung war da und wurde breit akzeptiert. So konnte nun eine Woche vor Pfingsten der zweite grosse Lockdown endlich aufgehoben werden und gemeinsame Gottesdienste waren wieder möglich.

Die Chefinnen: Corinne Schlegel und Tabera Eberhard. Foto: zVg

Besuch im Restaurant – eine Regnose

Von Patrik Böhler

Frühling 2021. Ein Jahr ist seit dem grossen Lockdown vergangen. Fast so lange hat es gedauert, bis die Welt zu einem einigermassen regelmässigen Lauf zurück gefunden hat. Zuvor blieben die Beizen lange geschlossen, so auch das Restaurant/Stehbar «No 19» in Solothurn, deren Chefinnen Corinne und Tabera sind.
Sorgen machte ihnen die ungewisse Situation. Als Macherinnen ist es schwer auszuhalten, dass man nicht das machen kann, was man am liebsten macht – Gäste empfangen und sie mit den selbstgemachten Häppli beglücken. Alleine, sagen sie, hätten sie es nicht geschafft. Aber zu zweit konnten sie einander stützen und ermutigen. «Es kommt anders, aber gut», sagten sie zueinander. Deshalb wurde auch ihr Shop ausgebaut.