Pinkig geistvoll
Foto: Adrien Perritaz/Keystone

Am 14. Juni ist Frauenstreik. Viele Frauen in der Kirche solidarisieren sich und nehmen unter dem Motto «Frauen*KirchenStreik» ebenfalls daran teil. Am 15. und 16. Juni gibt es dann in den Kirchen und Pfarreien zahlreiche weitere Aktionen. Wir haben bei Frauen im Kanton Bern nachgefragt, warum sie am «Frauen*KirchenStreik» teilnehmen. Hauptmotiv bei fast allen ist die Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche. Gerade in der katholischen Kirche ist diese zweifellos noch längst nicht erreicht. Aber lesen Sie selbst:

 

 

 

Ute Knirim Seelsorgerin Pfarreien Köniz, Wabern und Kehrsatz

«Ich engagiere mich beim Frauen*KirchenStreik, weil ich will, dass sicht-, hör- und spürbar wird, was Frauen in der Kirche alles leisten. Alles, was wir in der Kirche planen und in die Hand nehmen, hat nur Zukunft, wenn Frauen umfassend gleichberechtigt sind. Auch möchte ich andere Frauen dazu ermutigen, ihrer eigenen Berufung mehr zu trauen als dem ewigen Gerede darum, was wir als Theologinnen dürfen oder nicht.»

Edith Zingg Gemeindeleiterin Pfarrei Ostermundigen

«Frauen machen – auf (fast) allen Ebenen – das kirchliche Leben aus, und es macht Freude, Kirche-Sein mitzugestalten. Doch der Haken ist das «fast»: Der Ausschluss von Frauen aus verschiedenen Leitungs- und Entscheidungsgremien und vom Zugang zur Weihe wird dem Vorbild Jesu, der biblischen Botschaft (Gen 1,27; Gal 3,27-28) und den weltweiten gesellschaftlichen Entwicklungen nicht (mehr) gerecht. Veränderungen geschehen schon! – Und manchmal ist ‹nicht fragen› der erste Schritt.»



Katrin Schulze Theologin Pfarreien Bern-West

«Aus Solidarität mit allen, die für Gleichberechtigung kämpfen. Gerechtigkeit, Friede und Schöpfung sind mehr denn je gefährdet – auch, weil Frauen in den Chefetagen von Politik, Wirtschaft und Religionen untervertreten sind. Die Gleichberechtigung der Frauen ist matchentscheidend für die Zukunft unserer Welt. In der Kirche kämpfe ich für eine Reflexion des Menschenbildes und der Ämterfrage. Gott ist Mensch geworden – nicht Mann!»

Maria Regli Theologin Pfarrei St. Marien Bern, Vorstand der IG feministischer Theologinnen der Deutschschweiz und Liechtensteins

«Seit Jahrhunderten trägt das patriarchale Denken in biblischen Texten, theologischen Lehren und bei der Legitimation von Kirchenstrukturen zur Unterdrückung von Frauen bei. Auch heute noch. Wir wollen die Definitionsmacht über unsere religiösen Traditionen nicht den Männern überlassen. Und wir wollen als gleichberechtigte Menschen wahrgenommen werden. Der Frauen*KirchenStreik ist notwendig, damit wir nicht mehr übersehen und überhört werden.»



Dr. theol. Angela Büchel Slatkovic Kirche im Dialog

«Mit ihrer patriarchalen Struktur und Ideologie tut die Kirche Frauen weltweit grosses Unrecht an. Ob das wirklich erkannt wird und entschiede Reformen durchgesetzt werden? – Ich hoffe es. In der Kirche gibt es auch ein starkes Nein zu jeder Ausbeutung und Klassifizierung von Menschen. Der Frauen*KirchenStreik macht es auf besondere Weise hörbar.»

Annalisa Giovinazzo Praktikantin Pfarrei Worb

«Ich werde im Herbst röm.-kath. Theologie studieren. Für meine berufliche Zukunft sehe ich noch keine Gleichberechtigung. Ich werde nicht alle Arbeiten ausführen dürfen, weil ich eine Frau bin. Deshalb nehme ich am Streik teil und gebe meinem Anliegen eine Stimme.»



Programm vom 14. Juni 2019

Am Frauen*Streiktag ist das Erkennungszeichen der Kirchenleute der pinke Punkt. Sie werden sich mit allen streikenden Frauen in der Schweiz solidarisieren. Die gleichberechtigte Stimme der Frauen in Entscheidungsgremien von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Kirche ist unabdingbar für Gerechtigkeit, Friede und die Bewahrung der Schöpfung. Zudem setzen die Kirchen ein lautes Zeichen gegen sexuelle Belästigung und Gewalt an Frauen und Kindern.

11.00 Glockengeläut gegen Gewalt an Frauen und Kindern

ab Mittag Teilete in verschiedenen Pfarreien (www.kathbern.ch/frauenstreik) Alle sind herzlich willkommen!

16.00 Treffpunkt vor der offenen Kirche am Bahnhofplatz Bern. Berner Kirchenleute tragen ein weisses T-Shirt mit dem pinken Punkt. Den Aufkleber mit dem pinken Punkt gibt es in den Pfarreien oder direkt vor Ort. Gemeinsam gehen wir zum Bundesplatz und schliessen uns dort dem Frauen*Streik an.

Für eine Kirche umfassender Gleichberechtigung. Punkt. Amen.
Aktionen zum Frauen*KirchenStreik von Donnerstag, 13. Juni, bis Sonntag, 16. Juni, und teilnehmende Pfarreien: www.kathbern.ch/frauenstreik