Auf der «Übelholspur»

Was mich bewegt. Die Bistumskolumne. Dieses Mal von Jeannette Emmenegger-Mrvik.

Gedanken u?ber richtige Fehler

Von Dr. Jeannette Emmenegger-Mrvik, Mentorin am Seminar St. Beat, Luzern

Ist Ihnen das auch schon mal passiert? Sie schreiben eine Notiz und bemerken, dass Sie einen Fehler gemacht haben. Am Handy durchaus u?blich, da das Worterkennungsprogramm nach eigenen Regeln funktioniert.

Vor Kurzem beobachtete ich ein waghalsiges Überholmanöver. Ein Oldtimer, ein fröhlicher kleiner Piccolo-Transporter, geschmu?ckt mit Fähnchen und wahrscheinlich fu?r eine Hochzeit oder Familienfeier unterwegs, wurde von einem schnittigen, topmodernen Auto u?berholt. Die Situation war gefährlich. Nach ein paar Schrecksekunden und einem innigen Stossgebet kam mir der Gedanke, ob sich diese Beobachtung auch auf andere Lebensbereiche anwenden liesse.

Vieles in unserem Leben sollte immer schneller und zielgerichteter ablaufen. Wer nicht mithält, ist selber schuld und wird auf der Strecke gelassen. Christlich ist das u?berhaupt nicht. Im Matthäusevangelium sagt uns Jesus: «Aber viele, die die Ersten sind, werden die Letzten sein, und die Letzten werden die Ersten sein.» Die totale Umkehrung unserer gewohnten Massstäbe. Diese Worte fallen mir oft ein, und sie fordern mich im Alltag heraus, mein eigenes Verhalten zu hinterfragen.

Zuru?ck zu meinem Schreibfehler. Bei meinen Notizen zu diesen Zeilen stand «Auf der Übelholspur.» – Das Übel holen. Ist doch treffend, oder?

"Was mich bewegt" im Überblick