Annalena Müller übernimmt ab dem 1. Juli die «pfarrblatt»-Chefredaktion. Foto: Pia Neuenschwander

Annalena Müller: «Faulheit ist eine Tugend»

Im Beichtstuhl: Annalena Müller

Was haben Gladiatorenkämpfe mit christlichen Werten zu tun? Können «Faule» das Richtige tun? Die Historikerin Annalena Müller, die ab dem 1. Juli die «pfarrblatt»-Chefredaktion übernimmt, hat Antworten.

Interview: Katharina Kilchenmann

Sind Konzepte wie Sünde und Beichte noch zeitgemäss?

Das Konzept der sieben Todsünden ist einerseits zeitlos. Andererseits passt es sich kulturell stetig an. Die Faulheit ist in unserer überreizten Gesellschaft nahezu eine Tugend. Wer es heute schafft, auch mal still zu werden, also «faul» zu sein, kann etwas Gutes beitragen – für sich und andere. Andere Sünden wiederum sind ewig gültig: aus Neid oder Habgier etwa kann nichts Gutes entstehen.

Wie wichtig ist die Religion in einem säkularen Land wie der Schweiz?

Unser gesellschaftliches Zusammenleben basiert auf christlichen Werten – auch wenn wir uns dessen oft nicht bewusst sind. Vieles, was uns als gegeben erscheint, entwickelte sich erst durch das Christentum. Im alten Rom waren Gladiatorenkämpfe Teil der Unterhaltung. Erst das Gebot, nicht zu töten, verunmöglichte den Mord aus Spass in der Arena.

Heute sind die Würde des Menschen und die Solidarität zentrale Werte. Gleiches gilt für Eroberungskriege: Den Nachbarn und seinen Raum zu achten, ist ebenfalls ein christlicher Wert.

Bei aller Kritik an der Religion, ohne würde etwas fehlen?

Absolut. Ich glaube, es geht manchmal vergessen, dass unsere Gesellschaft ohne Religion eine kältere wäre.


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