Die Hochzeit in Kana, Fenster in der Marienkirche Thun. Das Hochfest der Gottesmutter Maria ist am 1. Januar. / Foto: Pia Neuenschwander

Maria, Fürsprecherin in Thun

Die Jahresserie #heiligbern

«Was willst du von mir, Frau?», antwortet Jesus seiner Mutter Maria, als diese ihn bei einem Hochzeitsfest darauf aufmerksam macht, dass der Wein  ausgegangen ist.

von Nicole Arz

Der Text über «Die Hochzeit von Kana» ist sperrig. Es gibt viele theologische Interpretationsversuche über dieses erste Wunder, das Jesus  tut, aber auch darüber, wie er mit Maria spricht. Mir gefällt jene Interpretation, bei der Maria im Fokus steht: ihre Empathie für die Gastgeber und ihr  Vertrauen darauf, dass ihr Sohn schon helfen wird. 

Vertrauen ist das, was in den Geschichten über Maria immer wieder ins Auge springt. Sie vertraut darauf,  dass Gott es gut meint mit ihr, dass die Dinge letztlich ihren Sinn haben – als ihr der Engel ihre Empfängnis verkündet ebenso wie dann, als sie ihren zu Tode  gefolterten Sohn im Arm hält. 

Maria in Thun

In Thun steht eine der sieben katholischen Pfarrkirchen im Kanton, die Maria geweiht sind. Sie sei stolz darauf, dass eine Frau  Schutzpatronin ihrer Kirche sei, sagt Christine Schmaus, Sekretärin und Sakristanin vor Ort. In der Fensterzeile, in der Geschichten aus dem Leben Marias  dargestellt werden, sei es genau jenes Fenster von der Hochzeit von Kana, das ihr vermittelt habe, am richtigen Platz zu sein, nachdem sie vor vielen Jahren  aus Deutschland in die Schweiz gekommen sei. «Herr, sie haben keinen Wein mehr», sei ihr Herzensgebet gewesen. 

Auch Michal Kromer, seit zwei Jahren  Seelsorger in St. Marien, hat seine Beziehung zur Pfarrkirche aufgebaut, indem er frühabends dort sass und das Licht, das durch die Glasfenster leuchtete, auf sich wirken liess. In seiner polnischen Familie sei Maria sehr verehrt worden, erzählt er. Seine Grossmutter habe immer einen Rosenkranz bei sich getragen.  Dieses Bild sei ihm bis heute Zeichen einer starken Verbundenheit mit Maria, die vor allem auch Mensch war und durchlebt habe, was auch wir durchleben. 

Maria stehe für ihn für Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit und Authentizität. Werte, die heute eher rar seien. Von ihr könne man lernen, dass man in seinem  Denken, Handeln und Tun achtsamer werde und dass es sich manchmal lohne, «eine Nacht darüber zu schlafen».

Mit Herz und Verständnis

Eine Mutter mit grossem Herzen und viel  Verständnis sieht Marlene Schmidhalter, die sich in der Kleinkindergruppe der Pfarrei engagiert, in Maria. Die tiefe Verbindung, die Maria zu ihrem Sohn  gehabt habe, berühre sie sehr, sagt sie.

Die Begebenheit in Kana hat Marias Ruf als Mittlerin und Fürsprecherin begründet und auch den einer Heiligen, die  sich der alltäglichen und konkreten Sorgen annimmt. «Sie verbindet Himmel und Erde, Gott und die Welt», sagt Marlene Schmidhalter.

Und wer wäre diese  Maria heute? Michal Kromer könnte sie sich als Mentorin oder Coach vorstellen, die den Menschen in ihren Alltagsproblemen beisteht. Oder – so Christine  Schmaus – als eine, die uns zurufe: «Hey, wenn du was ändern möchtest, dann kannst du im Kleinen bei dir selbst anfangen.»

 

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