Dank Yvette Gasser «kam er mal raus»: Bruder Klaus. Hier auf dem Morgenberghorn.

Wie Bruder Klaus zum Gipfelstürmer wurde

Auf 35 Gipfel hat Yvette Gasser, Pfarreisekretärin in Spiez, eine Statue des Niklaus von Flüe getragen. Anlass war das 50-Jahre-Jubiläum der gleichnamigen Pfarrei.

Auf 35 Gipfel hat Yvette Gasser, Pfarreisekretärin in Spiez, eine Statue des Niklaus von Flüe getragen. Anlass war das 50-Jahre-Jubiläum der gleichnamigen Pfarrei.

Sylvia Stam

«Man könnte Bruder Klaus aus dem Büro entführen, sodass er mal rauskommt!» So diskutierte das Büroteam der Pfarrei Bruder Klaus in Spiez Anfang letzten Jahres in einer Kaffeepause. Vorangegangen war ein Brainstorming zum 50-Jahre-Jubiläum der Pfarrei 2024. Die Idee, der Pfarreigrenze entlangzuwandern, hatte Gemeindeleiterin Gabriele Berz scherzhaft eingebracht.

Doch Yvette Gasser, Pfarreisekretärin, nahm den Scherz ernst. Ihre Bürokollegin Sandra Bähler steuerte die Statue des Landesheiligen bei: eine rund 50 cm grosse Holzfigur, die ihr Grossvater geschnitzt hatte. «Zum Glück ist sie leicht», erzählt Yvette Gasser, «und sie passte neben dem Sandwich in den Rucksack.»

Vor dem Zmittag zurück

So kam es, dass Yvette Gasser in der Wandersaison 2023 in ihrer Freizeit auf 35 Gipfel rund um Spiez stieg (siehe Infobox). Die hölzerne Statue wurde auf jedem der erklommenen Gipfel aufgestellt und fotografiert. Die Fotos, die auf diese Weise entstanden, sind atemberaubend schön. «Früh aufstehen lohnt sich», sagt Gasser dazu. «Manchmal bin ich morgens um 04.00 los und war rechtzeitig zurück, um Zmittag zu kochen», erzählt die Mutter zweier Teenager.

Nur zwei der Touren hat sie allein gemacht, alle anderen mit befreundeten Menschen. Zum Beispiel mit Mäne, dem Pöstler. Bei einem Kaffee im Pfarreisekretariat liess er sich von ihrer Idee begeistern. «Da trampi mit dir mit», habe der Briefträger gesagt, privat ein Trailrunner. Ein Glück für Gasser, denn er kennt die Gegend und hatte bei Bedarf die nötige Ausrüstung dabei. Dank ihm und seinen Kollegen schaffte sie auch das «stotzige» Gelände zum First und Latrejespitz: «Ab First ging es weglos über einen Grat, angeseilt, bis zum Dreispitz.»

«Weglos» – das Wort fällt mehrmals im Gespräch mit Yvette Gasser. Denn längst nicht alle Gipfel seien mit Wanderwegen erschlossen. Entsprechend sind sie auf vielen Touren niemandem begegnet, haben im Gegenzug Gämsen, einen Steinbock, Salamander oder Bartgeier getroffen, Kranz- und Purpurenziane säumten ihren Weg ebenso wie Wollgras und Edelweiss.

Schnee und andere Tücken

Den höchsten Punkt der Pfarrei, die Schwalmere mit 2777 m, erklomm sie Ende Juli mit Kappe und Handschuhen, denn oben lag noch Schnee. In besonderer Erinnerung hat die 50-jährige Pfarreisekretärin die Tour auf das Morgenberghorn. Auch der Sonnenaufgang auf dem Otterepass ist unvergessen. Die Walliserin schwärmt vom hochalpinen und deshalb «abenteuerlicheren» Albristhorn-Gebiet, das ihr besser gefällt als die Gantrischkette mit dem Blick ins flache Tal.

Doch den strahlenden Fotos zum Trotz verhehlt sie nicht: «Manchmal war es ein Chnorz» – etwa den Klettersteig zum Gantrisch und gleichentags vier weitere Gipfel zu bewältigen. Obschon sich bald zeigte, dass sie das Ganze unterschätzt hatte, war es für sie Ehrensache, das Projekt durchzuziehen. Gasser und ihre Begleitpersonen waren realistisch genug, auch mal umzukehren, wenn das Wetter schlechter war als erwartet. So etwa beim Fromberghorn, das sie erst beim zweiten Anlauf mit schönerem Wetter geschafft hat.

«Es gibt Lücken», gibt sie unumwunden zu. «Die Hintere Spillgerten fehlt, da hätten wir klettern müssen. Die ganze Niesenkette habe ich nicht mehr geschafft, der Winter war plötzlich da.»

«Mich haben die Leute getragen, die mitgekommen sind», erzählt sie mit hörbarer Dankbarkeit. Denn diese kannten Wege und Gelände oft besser als sie. Nebst dem Pöstler und seinen beiden Kollegen waren Nachbarinnen dabei, Freund:innen der Familie, Volleyballkolleginnen. Ebenso kam ihre Familie vereinzelt mit.

Auf diese Weise hat sie auch die Gegend, in der sie seit 17 Jahren wohnt, kennengelernt. Und Bruder Klaus? Hat ihm die Reise in «sein» Pfarreigebiet gefallen? Gasser zuckt mit den Schultern: «Ich glaube schon. Und wenn es ihm nicht gefallen hat, ist er selber schuld!»

Der Pfarreigrenze entlang

Yvette Gasser hat mit der Statue von Bruder Klaus im Rucksack auf 23 Wanderungen 35 Gipfel erklommen. Sie hat vom 12. Februar bis 28. Oktober 2023 rund 200 km und mehrere tausend Höhenmeter zurückgelegt.

Eine interaktive Karte mit den Fotos von Bruder Klaus auf den Gipfeln finden Sie auf kathbern.ch/spiez/karte

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