((Beispielartikel)) Ein Leben in der Weite

Pater Ruedi Hüppi kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Jetzt hat er – trotz sichtbarer gesundheitlicher Einschränkungen doch überraschend – seine letzte Reise angetreten. Die Katholische Kirche Region Bern sagt Danke!
21. Oktober 2024 · Testpfarrei Liip
Christian Geltinger
Leiter Kommunikation Katholische Kirche Region Bern

Bild: zvg

In einer Zeit, in der Arbeitsbiografien und Lebensentwürfe immer durchlässiger und flexibler geworden sind, empfinden es viele Menschen möglicherweise als einengend, sein komplettes Leben auf eine persönliche Mission hin auszurichten und sich bereits in jungen Jahren für ein Leben im Kloster zu entscheiden. Dabei galt Ruedi Hüppi, der sich in diesen Tagen mit über 80 Jahren aus dem aktiven Pfarreileben zurückziehen wollte, bei seiner Berufung zu einem geistlichen Leben mit 19 Jahren sogar als Spätzünder. Gleichzeitig ist gerade an der Biografie von Ruedi Hüppi ablesbar, wie diese einschneidende Entscheidung bei ihm ein Tor zur Welt geöffnet hat, in ein Leben, das alles andere als eintönig und jenseits der Realität war.

 

«Burundi war meine erste grosse Liebe. Sie hat mich 22 Jahre meines Lebens dort gehalten.»
Pater Ruedi Hüppi

Im Einsatz für den Frieden

Als Schönstatt-Pater war Hüppis Wirkungskreis nicht die Klosterzelle, sondern die weite Welt. «Burundi war meine erste grosse Liebe», so Hüppi. 22 Jahre war er in dem ostafrikanischen Land, kümmerte sich um Wasserversorgungen und Schulen. Dabei war seine Arbeit vor Ort angesichts der politischen Situation keineswegs immer frei von Gefahren. Doch Hüppi suchte den Dialog mit allen, mit Gläubigen und Rebellen. Auf Grund eigener Erfahrungen mit körperlicher Gewalt in Einrichtungen der katholischen Kirche war für ihn Gewalt an afrikanischen Schulen ein absolutes No Go, dem er strikt den Kampf angesagt hat.

Ein Leben in der Mitte der Gesellschaft

Das Leben in einer WG, wie es Ruedi Hüppi nach seiner Rückkehr aus Burundi im Jahr 1997 geführt hat, entspricht sicherlich auch nicht gerade dem gängigen Klischee einer Gemeinschaft von Geistlichen. Viele denken vermutlich eher an dicke Klostermauern als an ein Leben in der Mitte der Gesellschaft. Über Jahrzehnte haben die Schönstatt-Patres in der Stadt Bern gewirkt. Auch nach der Auflösung der Priestergemeinschaft in Bern im Jahr 2018 ist Hüppi durch seine Arbeit in der Spital- und Gefangenenseelsorge vielen ein wichtiger Gesprächspartner. Insbesondere für die Pfarreien Worb, Zollikofen und Bremgarten war er eine tragende Säule im pastoralen Leben.

Zu grossem Dank verpflichtet

Die Entscheidung für ein Leben im Dienst Gottes und damit für die Menschen war für Pater Ruedi Hüppi alles andere als eine Einbahnstrasse. Im Gegenteil: Sein Weg führte ihn hinaus in die Welt, an aussergewöhnliche Orte, zu Menschen unterschiedlichster Herkunft, in Grenzsituationen und zur Prüfung überkommener Standpunkte. Die Katholische Kirche Region Bern ist Pater Hüppi für seinen Einsatz in unserem Pastoralraum zu Dank verpflichtet. Möge er in Frieden ruhen!

  • Wunder der Stille

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