In der Schweiz werden im Exil lebende Tibeter:innen und Uigur:innen unter Druck gesetzt. Die Berner Organisation Voices setzt sich dafür ein, dass ihre Stimmen gehört werden.
Christian Geltinger
Ende Oktober wurde die Lichtshow, die alljährlich auf das Bundeshaus projiziert wird, unbeabsichtigt zum Politikum, paradoxerweise ausgerechnet durch deren möglichen politischen Interpretationsspielraum. Gemäss des ursprünglichen Storyboards sollte die virtuelle Reise durch die Welt unter anderem Halt in Tibet machen. Die Parlamentsdienste befürchteten darin mögliche politische Assoziationen. Ob das als Einknicken gegenüber Peking zu werten ist, wie das China-Experte Ralph Weber kritisiert, sei dahingestellt. Der Vorfall ist jedoch bezeichnend für die Sensibilität des Themas.
Unterdrückung von Widerstand im Ausland
Anfang des Jahres 2025 publizierte der Bundesrat einen Bericht von Professor Ralph Weber von der Universität Basel. Er beschreibt die Einflussnahme Chinas weit über die Grenzen der Volksrepublik hinweg in den Alltag der in der Schweiz lebenden Tibeter:innen und Uigur:innen hinein. Er reicht von Drohanrufen zu jeder Tages- und Nachtzeit, Überwachungen von Demonstrationen oder das Ausüben von Druck auf Freund:innen und Verwandte, die noch in der Heimat leben. „Ziel ist es, die Community von Tibeter:innen und Uigur:innen einzuschüchtern und zu isolieren und damit den Widerstand im Ausland zu ersticken“, so Tabea Willi. Die Juristin arbeitet für die Berner Menschenrechtsorganisation Voices, die Minderheiten und indigene Gemeinschaften im Kampf gegen für ihre Rechte unterstützt und die von der Katholischen Kirche Region Bern unterstützt wird.
Teilweise Schweizer Staatsbürger:innen betroffen
„Die Bandbreite der Menschen, die von China bedroht werden, ist gross. Viele Menschen leben zum Teil seit den 60er Jahren in der Schweiz, haben teilweise sogar eine Schweizer Staatsbürgerschaft, andere fürchten, jeden Moment aus der Schweiz ausgeschafft zu werden.“ Da man im Fall von autoritären Ländern wie China nicht vor Ort auf die Situation einwirken könne, sei es umso wichtiger, dass die Stimmen der im Exil lebenden Gruppen nicht verstummen. „Unsere Arbeit zielt sowohl auf die Ebene der Betroffenen von transnationaler Repression aus China, aber auch auf die Ebene unserer Gesellschaft, der oft gar nicht bewusst ist, wie Staaten wie China auch auf in der Schweiz lebende Menschen Einfluss nehmen.“
Sicherheit durch Empowerment und Networking
Das wichtigste sei es, den Menschen ihr Selbstbewusstsein zurückzugeben, sie zu empowern, stabile Netzwerke aufzubauen, die den Menschen ein gewisses Gefühl von Sicherheit zurückgeben, die resilient zu machen und ihnen Massnahmen aufzuzeigen, wie sie sich etwa im digitalen Raum vor Ausspähung schützen können. Gleichzeitig sei es wichtig, dass wir uns als Gesellschaft die Frage stellen, ob wir es zulassen wollen, dass ein Land wie China Einfluss auf unsere Gesellschaft nimmt.
Leider sind die im Exil lebenden Menschen aus Tibet und Ostturkestan (chin. Xinjiang) nur eine Gruppe von vielen weltweit, die nach wie vor ihrer elementaren Menschenrechte beraubt werden. Es gibt noch viel zu tun für die Berner Organisation Voices.
Wenn Sie mehr zu Voices erfahren wollen oder die Organisation ebenfalls finanziell unterstützen wollen, finden Sie mehr Informationen unter www.voices-ngo.ch
Mehr Informationen zu den sozialen und diakonischen Projekten der Katholischen Kirche Region Bern finden Sie HIER.