Engagement für eine bessere Klima-Zukunft. Die Bümplizerin Meret Schaufelberger.

Klimahalle mit Energie der katholischen Kirche

Nachdenken über die Klimakrise

Eine bunte Mischung an Menschen traf sich über mehrere Tage in der «Grossen Halle» in Bern zur «Klimahalle». Entstanden ist ein spannender Open Space mit Workshops, Kunst und Musik.

Text und Fotos von Vera Rüttimann

Die Discokugel vibriert an der Decke. Auf einer Bühne in der «Grossen Halle» probt die Rap-Formation «Anti Crew». Der Soundcheck sitzt. In einer Pause steht auch «Chromos» mit den Kollegen zusammen. Der Rapper ist zum zweiten Mal bei der «Klimahalle» dabei. Über seine Motivation, hier zu sein, sagt er: «Wir greifen Themen auf, welche die junge politisierte Jugend umtreibt. Natürlich ist die Klima-Krise auch etwas, was uns immer mehr beschäftigt.»


Diskutieren, trösten, feiern

Unter den Zuhörern der «Anti Crew» ist auch Meret Schaufelberger. Die 21-Jährige Bümplizerin war letztes Jahr schon im OK der «Klimahalle». Für sie ist es klar, warum sie hier ist: «Der Klima-Wandel wird meine Generation stark betreffen.» Der tiefe Pegel der Aare, die sterbenden Fische und die brennenden Wälder, das seien Bilder, die sie in den letzten Wochen sehr erschüttert hätten. «Diese Bilder zeigen mir eine Zukunft, die mich erschreckt», sagt sie.

Oft fühle sie sich im Alltag mit ihren Ängsten allein. Geradezu ohnmächtig. Deshalb, betont sie, sei die «Klimahalle» ein wichtiger Ort, wo junge Menschen über Klimathemen nachdenken, diskutieren und sich auch Halt geben können. Und das Feiern unter der Discokugel, das komme hier auch nicht zu kurz.


Fokus Kurdistan

Vor allem die Workshops interessieren sie. Bevor die Studentin ihre Schicht vorne am Desk, wo sie die Gäste empfängt, antritt, besucht sie den Workshop zum Thema «Ökologische Zerstörung in Kurdistan und der Kampf dagegen». Er wird von Tuncay Ok gestaltet. Detailliert geht er vor allem auf die Staudammprojekte und die Vertreibung der Bevölkerung Kurdistans ein. «Die Zerstörung von Natur, Kultur und den dörflichen Strukturen wird vom türkischen Staat knallhart vorangetrieben», sagt Tuncay Ok. Meret Schaufelberg erfährt von der Ökologiebewegung Mesopotamiens. Seit 2005 engagiert sie sich dafür, dass Kurden in ihren Dörfern bleiben und eine nachhaltige ökologische Landschaft aufbauen können.

Rapper, Raver, Skater

Danach schaut sich Meret Schaufelberer in der Reithalle um. An der Decke hängt eine riesige pinke Scheibe, in deren Mitte ein Uhu flattert. Anderenorts regnet es von oben breite Silberfäden. Auch Transparente wurden aufgehängt. Auf Laken heisst es «Climate-Justice!» oder «Üsi Zukunft?» Die ganze Szenerie ist in clubbiges Rot getaucht.

Meret Schaufelberger zieht es auch in die verschiedenen Boxen in der Halle. Dort zeigen Künstler Zeichnungen, Grafiken und Installationen zum Thema Klimakrise. Das Thema Angst, es ist auffällig präsent.  

Gegen Abend wird die Halle immer voller. Die Studentin zeigt sich beeindruckt über die spannende Mischung von Leuten, die sich hier trifft: Es kommen Raver, Hip-Hopper und Klimastreik-Aktivisten. An der Bar diskutieren Leute aus kirchlichen Umweltgruppen mit Graffiti-Artisten. Selbst Leute vom Skaterpark vor der Reithalle schauen vorbei. «Wohl an wenigen Ort ist Bern so bunt wie hier», sagt Meret Schaufelberger.


«Ein Kristallisationspunkt»

Die «Klimahalle», die aus dem Politfestival «Tour de Lorraine» entstanden ist, treibt auch Andrea Meier von der Fachstelle Kinder und Jugend um. Für sie ist klar, dass «wir als katholische Kirche in dieses Projekt Energie reingeben.» Ihr Part sieht sie so:  Die verschiedenen Protagonisten finden und untereinander vernetzen.

Andrea Meier spricht von einer Kerngruppe von zehn Leuten, die sich das Jahr über mit der Vorbereitung der Klimahalle beschäftigt. Es sei schön zu sehen, dass sich das Puzzle von Engagierten dann jeweils in der «Klimahalle» zusammenfüge. Andrea Meier resümiert: «Es braucht solche Kristallisationspunkte, wo man in Ruhe mit immer neuen Leuten über die Klimakrise reden kann.» «Und», schiebt sie nach: «Hier in der Klimahalle herrscht einfach ein guter Vibe.»