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Foto: Silke Mattner

Aber also soll es unter euch nicht sein... (Albrecht Mattner)

Mit diesem Wort spricht Jesus einen Umstand im menschlichen Leben und in der Gesellschaft an, der mir weit verbreitet zu sein scheint. Ein Kollege von mir hat es einmal ganz salopp so auf den Punkt gebracht: „Alle wollen Häuptling werden, keiner will Indianer sein.“  

Keiner will klein sein. Man kann das schon unter Kindern beobachten: Selbst sehr kleine Kinder wollen schon gross sein, zumindest aber grösser als der Bruder oder das Nachbarkind.

Das scheint irgendwie im Menschen angelegt zu sein, und hier liegt auch ein möglicher Schlüssel zum Verständnis: Im „grösser Sein als“ drückt sich aus, dass wir uns mit anderen vergleichen. Und als Ergebnis des Vergleichs wünschen wir uns: Wir wollen zumindest gleichwertig, wenn nicht besser sein als der oder die andere.  

Und nun kommt Jesus daher, mit seiner ganz anderen Sichtweise der Dinge: Wir sollen Diener sein, Diener aller sein. Darf ich Sie einmal etwas ganz direkt fragen: Wie fühlen Sie sich bei dem Gedanken, ein Diener zu sein, den anderen zu Diensten? Die anderen sind zum Beispiel die Freunde, die Familie oder die Arbeitskollegen. Löst diese Vorstellung bei Ihnen eventuell sogar unangenehme Gefühle aus?  

Was hat es nun mit diesem Diener sein auf sich? Könnte es sein, dass es Jesus hierbei um unsere Herzenshaltung und weniger um unsere soziale Stellung geht? Wie wäre es, wenn wir uns gar nicht immer mit den anderen vergleichen müssten?   Unser Wert hängt für Jesus nämlich nicht von unserer sozialen Stellung, von unserer Leistung oder Ausbildung ab. Ihm geht es um unsere Einstellung und unsere Herzenshaltung den Mitmenschen, dem Leben und uns selbst gegenüber.

Wer es schafft, diese Forderung Jesu zu verinnerlichen, der hat es plötzlich nicht mehr nötig, sich mit anderen zu vergleichen. Und da geschieht dann plötzlich Befreiung und Entlastung. Anstatt angenommen zu sein auf der Basis von permanentem Erfolg sind wir plötzlich angenommen in der Liebe Jesu. Wer bereit ist, sich auf dieses Angebot Jesu einzulassen, der fühlt sich sicher getragen aus einer Kraftquelle, die nicht versiegt.

Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen gelingt, diese Forderung Jesu in Ihrem ganz persönlichen Leben als entlastend und befreiend zu erleben.  

Albrecht Mattner

11. Februar 2011