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Alltagsgeschichten - Ruth Rumo Ducrey

„Mein Baum“, er steht direkt vor meinem Bürofenster zu Hause. Wir wohnen im dritten Stock – den Stamm kann ich nicht sehen, die Krone dafür umso schöner. Ich vertraue darauf, dass er gut verwurzelt ist. Er beschenkt mich mit und in jeder Jahreszeit.

Genau mag ich mich erinnern, wie „mein Baum“ im Herbst mit goldener Blätterpracht in den Himmel ragte - und wie er dann sehr schnell nackt da stand. Ganz spontan nehme ich dieses Bild heute Morgen wieder auf und ich finde Parallelen zum historischen Jesus – die Brücke von Palmsonntag zu Karfreitag. Jesus - bejubelt, bestaunt und hingerichtet. Und heute steht „mein Baum“ da – voller Knospen, die sich noch zwei-drei Tage der Sonne hinwenden und dann im zarten Grün erwachen werden. „Mein Baum – ein österlicher Baum“. Ich sehne und freue mich auf die Blätter und glaube daran, dass er blühen wird.

Auch in meinem Leben sehne ich mich immer wieder nach Ostersonne, die Menschen und mich nach „Brachzeiten“ erwachen lassen. Letzte Woche sprach ich mit meiner Freundin über die Abgrenzung zwischen profan und heilig – eine Grenze, die mich herausfordert über meinen Glauben nachzudenken. Eine Grenze, die ich nicht gerne „scharf“ ziehe, auch wenn ich um die Herkunft und Bedeutung der beiden Wörter weiss. Langsam fange ich an, diese Frage liebzugewinnen und mit ihr zu leben. Was meinen Sie, ist „mein Baum“, der mich zu Jesus und seiner Lebensgeschichte hinführt, profan oder heilig?

 

 

29. März 2014