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Hoffnungsträger (Nicole Arz)

Schnell sprechen wir von einem "Hoffnungsträger", wenn es zum Machtwechsel kommt - in einem Staat oder einem Unternehmen. Die Hoffnungen vieler ruhen dann auf einer Person - dass es dieser doch gelingen möchte, die marode Wirtschaft aufzurichten, Korruption auszumerzen, Gerechtigkeit und sozialen Frieden herzustellen - ganz einfach: das Steuer herumzureissen."Yes, we can!", sagte Barack Obama bei seinem Amtsantritt und wurde damit zum Hoffnungsträger schlechthin. Doch wie vielen anderen auch gelangen ihm nur Teilerfolge und viele Versprechungen konnte er nicht einlösen. Wieder einmal wurde deutlich, was die Geschichte schon tausendfach gelehrt hat: "Hoffnungsträger" enttäuschen zwangsläufig - zu gross und zu unerfüllbar sind all die Erwartungen, die an einen einzigen Menschen gestellt werden.

Auch am Palmsonntag feiern wir einen "Hoffnungsträger". Als Jesus damals in Jerusalem einzog, legten jubelnde Menschen Kleider und Palmzweige auf die Strasse, über die er auf dem Esel geritten kam. Sie sahen in ihm denjenigen, der sie aus Terror und Knechtschaft erlösen und den Frieden bringen würde.

Jesus wusste, dass er diese Menschen als "Hoffnungsträger" enttäuschen würde. Er hatte nicht vor, in die politischen Geschehnisse einzugreifen und gegen die Römer vorzugehen. Seine Idee war vielmehr gewesen, aufzuzeigen, was jede und jeder für einen Beitrag zum Frieden in seiner Umgebung leisten kann. Er wollte Vorbild sein, indem er sich ganz konkret für Frieden und Nächstenliebe eingesetzt hat. Nicht auf politischer, aber auf persönlicher Ebene. Immer wieder hat er die Menschen, insbesondere seine Jünger, dazu aufgerufen, es ihm gleichzutun. Und immer wieder hat er ungehalten reagiert, wenn sie es auch nach vielen Gleichnissen nicht begriffen hatten, um was es ihm ging.

Vielleicht war das seine eigene Hoffnung, als er an diesem Tag seinem Schicksal in Jerusalem entgegenritt. Dass die Menschen letztlich begriffen haben mögen, was er ihnen hat aufzeigen wollen. Dass die Zeit, in der er bei ihnen gewesen war, dazu gereicht haben möge und dass es auch ohne ihn in diesem Sinne weitergehen würde: sozial, solidarisch, engagiert und mit Gottvertrauen.

Hat sich diese Hoffnung erfüllt? Die Antwort müssen wir selbst geben, vielleicht gerade am Palmsonntag.

 

Nicole Arz

 

16. April 2011