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Lerncoaching macht Schule

Über 60 Kinder und Jugendliche mit Lernschwierigkeiten und Lernblockaden bekamen 2019 Bern-West Unterstützung von Lernavanti. Mit attraktiven Lernvideos wirkt das Angebot der Katholischen Kirche weit übers Quartier hinaus.

Kinder, die blitzschnell im Kopf rechnen, flüssig lesen und sicher schreiben, entwickeln ein gutes Lerngefühl. Denn der Schulstoff baut auf diesen Grundfertigkeiten auf. Solche Kinder fühlen sich kompetent. Das stärkt ihr Selbstvertrauen – diese Schule fürs Leben ist gerade in der heutigen Zeit wichtiger als das Pauken von Wissen.

Vor sechs Jahren hat Lehrer und Lerncoach Romeo Pfammatter in den Pfarreien von Bern-West sein Angebot gestartet. Alleine 2019 begleitete er über 60 Kinder und Jugendliche, die zum Beispiel massive Prüfungsängste haben, als Schulversager gelten oder Motivationsprobleme haben. Die Ursachen für schulische Schwierigkeiten können vielfältig sein. Als Coach geht Pfammatter den Ursachen auf den Grund – so unterscheidet sich Lernavanti sehr von klassischer Nachhilfe. Der grösste Teil seiner Gäste sind Mädchen und Buben aus der Primarschule, viele davon mit Migrationshintergrund. Fachlich brauchen sie Lernstrategien sowohl für Rechnen wie Lesen und Schreiben.

Ermutigen statt kritisieren

Persönlich leiden die Hälfte der Lernavanti-Kinder an mangelndem Selbstwertgefühl und Schulängsten. „Diese Kinder sagen: Ich kann es sowieso nicht, ich schaffe es nicht, ich bin nicht fähig ...“, weiss Romeo Pfammatter und erzählt das Beispiel eines Drittklässlers. Er kam mit Mutter und Noten wie 3 ins Lernavanti. Seine Mama war frustriert. Die Lehrperson meinte, der Junge sei faul. Und er selber fühlte sich als Versager. Doch dahinter steckte ein fehlendes Kompetenzgefühl und mangelnde soziale Anerkennung des Knaben. „Seine Noten kratzten am Selbstwertgefühl – das sind Tiefschläge“, erklärt Pfammatter. Auch bei diesem Drittklässler fand er positive Ansätze, die er erfolgreich verstärkte: „Der Schüler konnte beim Lesen schön artikulieren. Und bei einer Prüfung hatte er die ersten zwei Aufgaben perfekt gelöst und stürzte erst danach ab.“ So setzt der Lerncoach bei der Ermutigung an und zeigte dem Jungen sein Potenzial. Wertschätzung sei zentral, betont Pfammatter.

Hilfreicher neuer Lehrplan

Lernavanti hilft mit einfachen Techniken, ein gutes Lerngefühl zu schaffen. Hier können sich Eltern und Lehrpersonen von den Clips inspirieren lassen, die auf der Webseite www.lernavanti.ch gratis abrufbar sind. Schon mit ein paar Minuten einfachen Übungen täglich kann das schulische Selbstbewusstsein von Kindern gestärkt werden. Romeo Pfammatter weiss, dass Noten manchmal grosse Not schaffen und den Konkurrenzkampf an der Schule anheizen, die doch die Gemeinschaft fördern sollte.

So freut sich der Lerncoach der Pfarreien St. Mauritius und St. Antonius in Bethlehem und Bümpliz darüber, dass der aktuelle Lehrplan 21 die Selbstkompetenz der Mädchen und Buben stärken will. Eine differenzierte Lerneinschätzung wird wichtiger als starre Noten. „Wir müssen uns auf die Stärken fokussieren statt nur Defizite zu kritisieren“, erklärt Romeo Pfammatter in seinem sympathischen Walliser Dialekt. Er ist dankbar, dass die Kirche sein Angebot des Lerncoachings trägt. Zurzeit freut er sich über das neuste Video zum Schreibtraining, das neu auf seiner Webseite steht. Er hofft, dass andere Pfarreien sich von seinem Angebot anregen lassen, auf der Seite derjenigen Kinder zu stehen, die Ermutigung, Stärkung und Unterstützung brauchen.

www.lernavanti.ch

30. Dezember 2019
erstellt von Kommunikationsstelle
  • Bildung