von Christian Grass
angelus: Wofür steht der neue, leitende Priester des Pastoralraums Biel-Pieterlen?
Godwin Ukatu: Er geht auf die Menschen zu. Er wartet nicht auf sie. Begegnung mit verschiedensten Menschen ist ihm sehr wichtig.
Was ist sein Angebot und seine Botschaft an die Menschen in Biel und Umgebung?
Godwin Ukatu: Menschen sollen wieder Interesse an Gott finden. Gott ist nicht abstrakt, nicht weit weg, nicht irgendwo, sondern mitten unter uns. Er geht auf uns zu. Er will uns begegnen. Gott will uns als glückliche Menschen sehen, denn Gott liebt uns übermässig.
Wichtig für uns ist, dass wir wieder Interesse an IHM zeigen. Gott will den Verletzten, den Menschen, die leiden, die verwirrt oder verunsichert sind, die unglücklich und unerfüllt und trotz vieler „Freunde“ einsam sind, helfen, sie heilen, ihnen Ruhe und Zufriedenheit schenken.
Daher ist es wichtig, dass Menschen und Kirche wieder aufeinander zugehen und einander begegnen. Die Kirche bietet vielfältige Möglichkeiten, Gott näherzukommen. Mein Wunsch ist es, Menschen in ihrer Vielfalt zusammenzubringen und Räume zu schaffen, in denen Versöhnung wachsen kann – mit uns selbst, miteinander und mit Gott.
Was ist für uns Menschen, ausser dem echten Interesse an Gott, noch wichtig?
Godwin Ukatu: Schon in der frühen Kirche spielte die Katechese, die mündliche Weitergabe des Glaubens, eine wichtige Rolle. Menschen erzählten von Gott und seiner Gegenwart in ihrem Leben. Andere hörten zu und entdeckten, was diese Botschaft für sie bedeutete. Dieses Zuhören ist auch heute wesentlich: auf Gottes Wort, aufeinander und auf das, was uns innerlich bewegt. Fehlt dafür der Raum, können wir den Kontakt zu Gott, zu anderen und zu uns selbst verlieren.
Sorgen und Einsamkeit können schwerer auf uns lasten. Als Priester möchte ich Menschen dort begegnen, wo sie stehen, mit ihren Fragen, Ängsten und Hoffnungen, und ihren Weg mitgehen. Dafür braucht es nicht immer viele Worte. Manchmal bedeutet Seelsorge einfach, da zu sein, zuzuhören und Schweres gemeinsam auszuhalten. So können Vertrauen und neue Hoffnung wachsen.
Wie wichtig ist Ihnen der zeitweise Rückzug aus unserem stressigen Alltag?
Godwin Ukatu: Unsere Konsumwelt verspricht viel: Glück, Freiheit, Anerkennung und ein erfülltes Leben. Vieles kann uns Freude und den Alltag erleichtern. Doch die tiefsten Bedürfnisse des Menschen lassen sich damit allein nicht erfüllen. Wir haben viele Möglichkeiten und können uns trotzdem innerlich leer fühlen.
Die Welt draussen ist spannend, vielschichtig, fortschrittlich. Die Gesellschaft, das Leben fordert jedoch viel von uns. Wir erleben aus der Ferne Kriege, wir stecken täglich im Cyberspace fest, wir wissen nicht, was in 10 Jahren sein wird. Wichtig ist, den Weg auch nach innen zu gehen.
Zeit für sich und ohne Ablenkung einzuräumen. Das kann zuhause sein, in der Natur (Godwin Ukatu geht viel in die Natur, um dort Zeichen Gottes zu entdecken); das kann an einem ganz anderen Ort sein, der uns guttut. Rückzug ist sehr wichtig, um Kraft zu finden und Heilung zu erfahren.
Lebenslinien von Godwin Ukatu
1972 in Nigeria zur Welt gekommen
- 1987 (im Altern von 15 Jahren) Eintritt ins Priesterseminar in Nigeria
- Zwei Jahre pastorale Erfahrung im Bischöflichen Sekretariat des Bistums Awka
- Ein Jahr geistliche Ausbildung (Spiritualitätsjahr)
- Studium der Philosophie (4 Jahre)
- 1 Jahr Erfahrung im Publikations- und Medienhaus Fides in Okpuno, Awka.
- Studium der Theologie (4 Jahre)
- Priesterweihe
- Fünf Jahre Arbeit in einem Bistum in Nigeria
Long Island, NY, USA (Seine Mutter ist US-amerikanische Staatsbürgerin und lebt in Texas. Ein Teil seiner Familie lebt ebenfalls in den USA. Die USA sind daher ein wichtiger Teil seines Lebens)
10 Jahre Rom: Ora et labora – Bete und arbeite bei den Benediktinermönchen in Rom
Umzug in die Schweiz
- 6 Monate in Brugg/Windisch (AG)
- 2 Jahre in Pfaffnau (LU)
- 5 Jahre im Pastoralraum Möhlinbach (AG)
- Seit August 2026: Pastoralraum Biel-Pieterlen
Anm. d. Red.: Erfahren Sie in der kommenden Dezember-Ausgabe des Angelus mehr über den Priester Dr. Godwin Ukatu.