Im Reichtum einer lebendigen Kirchgemeinde angekommen
Unsere francophone Kommunikationsverantwortliche Céline Latscha hat Patrick Egger getroffen. Er trat jüngst die Stelle des Verwalters an. Und er trat ein in eine recht bunte Kirchgemeinde …
Eine Stelle anzutreten bedeutet normalerweise, eine Funktion zu übernehmen. Für Patrick Egger bedeutet die Ankunft in Biel vor allem, in eine menschliche Realität von unerwartetem Reichtum einzutauchen.
Es gibt Aufgaben, von denen man glaubt, sie längst zu kennen, lange bevor man sie übernommen hat. Und dann taucht die Realität vor Ort auf: Seit dem 1. Februar 2026 entdeckt Patrick Egger, der neue Verwalter der römisch-katholischen Kirchgemeinde Biel und Umgebung, ein «Universum am Arbeitsplatz» das weitaus grösser ist als erwartet. Hier übernimmt er die bisher von Pascal Bord ausgeübte Funktion des Verwalters.
«Ich habe nicht mit einem solchen Reichtum gerechnet», gesteht er gleich zu Beginn des Gesprächs. Ein Reichtum, der sich aus Kulturen, Sprachen, Sensibilitäten, aber auch aus sehr unterschiedlichen Lebensweisen und Formen des Engagements zusammensetzt. Hier ist nichts einheitlich – und genau das macht die Einzigartigkeit dieser Kirchgemeinde aus. «Es gibt viele unterschiedliche Realitäten, und man muss lernen, mit diesen umzugehen, allen gut zuzuhören und Wege zu finden, um wegweisend voranzukommen.»
Verwurzelt im Kirchenleben
Auch wenn sein Amtsantritt in Biel erst kürzlich erfolgte, ist Patrick Eggers Engagement in der Kirche von langer Dauer. Er lebt mit seiner Familie in Köniz und engagiert sich seit vielen Jahren im Gemeindeleben. So leitete er 14 Jahre lang den örtlichen katholischen Verein, der zahlreiche gesellschaftliche Veranstaltungen organisierte, bevor er vor vier Jahren als Gemeindepräsident die Leitung der Pfarrei St. Josef in Köniz übernahm.
Zusammen mit seiner Frau hat er zudem eine fundierte Ausbildung zum Familiencoach absolviert, die anerkannt ist und mit einem vom Bischof ausgestellten Diplom abgeschlossen wurde. Beide haben insbesondere Paare in der Ehevorbereitung begleitet und ihnen mehrtägige Exerzitien in einem Kloster angeboten – eine prägende Erfahrung, bei der das Wesentliche Bedeutung gewinnt.
„Einen Raum zu bieten, um sich wiederzufinden, nachzudenken, Abstand zu gewinnen … das ist etwas Wertvolles“, erklärt er. Ein Ansatz, der eine Haltung widerspiegelt, die von Zuhören, Verfügbarkeit und Einfachheit geprägt ist.
Eine Funktion, die über Zahlen weit hinausgeht
Ein Verwalter? Der Begriff könnte den Eindruck einer rein technischen Funktion erwecken: Organisation, Finanzen, Verwaltung eben. Die Realität ist differenzierter. «Natürlich gibt es einen bedeutenden administrativen Anteil», räumt Patrick Egger ein. «Aber es ist nie nur das. Hinter den Akten stehen immer Menschen.»
Dank einer soliden und anspruchsvollen beruflichen Laufbahn, geprägt von Verantwortlichkeiten in so unterschiedlichen Bereichen wie dem Bankwesen, dem öffentlichen Verkehr oder dem Gesundheitswesen, bringt er mehr als nur bewährtes Fachwissen in seine derzeitige Funktion ein.
Insbesondere bei der Verbindung der Schweizer Ärzte (FMH) hatte er die Position des Leiters der Abteilung Finanzen und Verwaltung inne und übernahm gleichzeitig Aufgaben im Facility Management.
Diese Erfahrung ermöglicht es ihm, zu erkennen, was das Leben in einer Kirchgemeinde auszeichnet. Hier folgten Entscheidungen eben nicht einer rein funktionalen Logik. Sie seien Teil einer zutiefst menschlichen Dimension. «Wir befinden uns in einem Umfeld, in dem Werte wirklich zählen. Das verändert die Art und Weise, wie wir arbeiten, miteinander sprechen und nach Lösungen suchen, komplett. »
Mit Vielfalt umgehen
In Biel spiegelt die Kirchgemeinde ihr Umfeld wider: vielfältig, lebendig, manchmal komplex. Eine Realität, die der Zeit bedarf. «Man muss beobachten, verstehen, darf nicht zu schnell vorangehen», betont Egger. «Jede Situation ist anders, jeder Mensch auch. »
Anstatt etwas aufzuzwingen, bevorzugt Patrick Egger einen schrittweisen, aufmerksamen Ansatz, der darauf abzielt, ein Gleichgewicht herzustellen. Eine zurückhaltende Haltung, die jedoch in einem Umfeld mit hohen Erwartungen unerlässlich ist.
Im Laufe des Gesprächs zeichnet sich ein deutliches Bild ab. Das eines Mannes, der in starken Werten, aber auch in einer Form von Pragmatismus verwurzelt ist. Zuhören, verstehen, begleiten, vorschlagen, will er. Ohne viel Aufhebens, aber mit Beständigkeit. «Was zählt, ist, im Dienst zu stehen», fasst er sehr schlicht zusammen.
In einer so reichen und vielfältigen Kirchgemeinde wie der von Biel und Umgebung ist die Herausforderung omnipräsent. Doch gerade in dieser Komplexität der Kirchgemeinde scheint er eine Art Selbstverständlichkeit zu finden.
Ein anspruchsvolles Terrain – und zutiefst menschlich.
Ein Auszug des Gesprächs ist im Angelus Mai 05-2026 publiziert.
Beitrag in französischer Sprache: Céline Latscha
Übersetzung: Christian Grass
Foto: Céline Latscha
Alles lebt - Einladung zu Führung
Sa, 25.04.2026, Museum der Kulturen Basel
Alles lebt – mehr als menschliche Welten
Einladung zu einem Besuch mit Führung im Museum der Kulturen Basel am Samstag, 25. April 2026
Was wäre, wenn Flüsse, Seen, Bäume dem Menschen gleichberechtigt sind?
Ausgehend von 165 Objekten aus der Sammlung des Museums, zeitgenössischen Kunstwerken und Stimmen aus verschiedenen Regionen der Erde, zeigt das Museum, wie andere Kulturen mit ihrer «Mitwelt» leben und welche Erfahrungen sie damit machen.
Gemeinsam reisen wir nach Basel und lassen uns in einer Führung inspirieren und bestärken im Aufbruch zu einer neuen Erzählung über das Menschsein in dieser Welt.
Treffpunkt Bahnhof Biel, 12.40 Uhr, Perron nach Basel, oberhalb der Treppe.
Biel ab 12.48 Uhr, Basel an 13.56 Uhr.
Tramfahrt bis Station Bankverein, ab da ca. 10 Minuten Fussweg zum Museum.
Einstündige Führung um 15 Uhr.
Im Anschluss für alle, die mögen, Ausklang in einem Restaurant.
Die Rückfahrt erfolgt individuell.
ÖV-Tickets und Verpflegung bitte selbständig kaufen.
Kontakt und Anmeldung: Gabriela Allemann, gabriela.allemann@ref-bielbienne.ch