Adam und der Teufel

Zwei katholische Kircheninternas prägten in den letzten Tagen die Schlagzeilen der Weltpresse: Papst Franziskus mit seiner Unterstützung für die bessere Übersetzung der Bitte des Vaterunsers: «Führe uns nicht in Versuchung» in «Lass uns nicht in Versuchung geraten» und die Übersetzung des Begriffs «Adam» mit dem Wort «Mensch» in der neuen Einheitsübersetzung der Bibel.

Natürlich ist es immer schwierig, Gebetstexte zu ändern, die wir lange gewohnt sind. Papst Franziskus und den französischen Bischöfen geht es dabei um die wichtige Frage, woher das Böse kommt. Nicht von Gott, meint Franziskus, sondern vom Satan. Ob das allerdings hier zielführend ist, den Teufel wieder ins Spiel zu bringen?
Schon im Buch Hiob wird darum gerungen, ob das Böse von Gott, vom Satan oder vom Menschen, der sich von Gott abwendet, komme. Der glaubende Mensch ist aufgefordert, seine Antwort zu finden.

Adam heisst übersetzt «der aus der Erde Genommene» und meint den Menschen, der durch Eva, übersetzt «die Lebendige», erst zum ganzen Menschen wird. Eine unspektakuläre Änderung, die hier vorgenommen worden ist. Es mutet darum etwas abenteuerlich an, wenn dieses Beispiel nun für die sogenannte Genderfrage instrumentalisiert wird.
Zu behaupten, Eva werde zum Tier degradiert, weil Adam mit «Mensch» übersetzt werde, ist mit Verlaub, lächerlich. Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild. Als Mann und Frau schuf er ihn. Dass wir in der katholischen Kirche noch nicht einmal Diakoninnen haben, mutet darum genauso abenteuerlich an. Dass immerhin in der neuen Übersetzung der Apostel Junias zu Junia wird, weil es früh schon in der Kirchengeschichte bezeugte Apostelinnen gegeben hat, – und Junia war eine, die nur als Junias die Jahrhunderte überleben durfte – ist doch eine frohe Botschaft.

Der allgemeine Tenor zu den beiden Themen war: Die Kirche hätte Wichtigeres zu tun. Theologenstreit verschaffe keinem Armen Brot. Trotzdem: Das Fazit ist positiv. Die Frage nach dem Bösen und die Frage nach Adam, also nach dem Menschen, haben nichts an ihrer Faszination verloren. Und – die Öffentlichkeit diskutiert ein adventliches Thema jenseits von Konsum und Glanz. Auch mal schön, oder?

Jürg Meienberg

13. Dezember 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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