Abschied. Foto: illmedia / photocase.de

Adieu, tschüss, ciao, auf Wiedersehen

Mit solchen oder ähnlichen Worten verabschieden sich viele von uns am Morgen von ihren Lieben oder am Abend, von den Arbeitskolleg*innen, bevor es wieder nach Hause geht. Tagtäglich verabschieden wir uns verbal oder nonverbal, bewusst oder unbewusst von Menschen, Situationen, Vertrautem oder auch Gewohntem. Sich verabschieden kennt viele Formen, die meist sehr persönlich geprägt sind. Viele Paare sagen, dass es für sie wichtig sei, nie im Streit auseinanderzugehen oder einzuschlafen. Der Wunsch, sich versöhnt verabschieden zu können, ist gross.

In meinem Alltag als Spitalseelsorger begegnet mir dieses Abschiednehmen häufig so, dass ich Menschen begleite, die einer geliebten Person Adieu sagen müssen, weil diese sterben wird oder bereits verstorben ist. Solches «Sich-verabschieden-Müssen» verläuft immer unfreiwillig. Die Form, die bestimmt wird, um Abschied zu nehmen, wird jedoch oft ganz bewusst gewählt. Dabei zeigen sich viele Gestaltungsformen. Zu sehen, wie ebenfalls das Spitalpersonal sich bemüht, einen «Raum» rund um einen Sterbenden oder Verstorbenen zu schaffen, einen «Raum», in dem ein Abschiednehmen trotz Schmerz und Ohnmacht möglich wird, berührt mich sehr. Der Wunsch nach Frieden/Versöhnung (in irgendeiner Form) scheint auch hier präsent zu sein.

Nun stehen wir am Jahresende. Auf vieles mussten wir uns 2018 neu einstellen. Manches ist dazugekommen. Altgewohntes, Vertrautes mussten wir loslassen. Mussten uns von Wünschen, Hoffnungen, Menschen verabschieden – oft unfreiwillig. Solche Abschiede sind schwierig, tun weh, hinterlassen vielleicht sogar ein Gefühl von Ohnmacht oder Überforderung. Aber auch in solchen Momenten sollten wir trotzdem die Form des Abschiednehmens gestalten oder zumindest mitgestalten. Denn durch solches bewusstes Abschiednehmen wird einem der «nächste Schritt» für ein Weitergehen meist leichter fallen. Welche Kultur von Abschiednehmen leben Sie? Wie gestalten Sie ganz persönliches Adieusagen? Tragen Sie solche Abschiede mit sich aus, oder lassen Sie andere daran teilhaben?

Zum Jahreswechsel die besten Wünsche, dass Sie eine persönliche, stimmige Form finden, loszulassen, wo es nötig ist und sich auf Neues einlassen können – was eben gerade ansteht, so dass die ersten Schritte im neuen Jahr angenehm zu gehen sind.

Patrick Schafer, kath. Spitalseelsorger

Gedanken aus der Spitalseelsorge im Überblick

19. Dezember 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 1
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