Dreiklang - im Wesen und in der Substanz. Foto: sommerkind, photocase.de

Arianischer Streit, der –

Wenn man vom grössten innerchristlichen Glaubensstreit spricht, denkt man als Erstes an die Reformation. Aber schon in den ersten Jahrhunderten der Kirche gab es einen Konflikt, der das Christentum entzweiriss und zur Trennung von Ost- und Westkirche führte – den arianischen Streit.

Ihm zugrunde lag eine theologische Frage, die dem einfachen Gläubigen heutzutage belanglos erscheinen mag: Die, ob Gottvater und Christus als sein Sohn dieselbe Person seien. Ob Jesus also göttlich, gottähnlich oder geschöpflich wie der Mensch sei.

Im Jahre 318 n. Chr. stellte Arius, ein libyscher Presbyter, die These auf, dass das Wesen Christi nicht dasselbe sei wie Gott, er also irgendwann von Gott geschaffen worden sei. Das erzürnte den Bischof von Alexandria. Jesus könne nicht ein Geschöpf sein, denn dann wäre er ja erlösungsbedürftig – und das sei unmöglich, wenn er der Erlöser sein solle! Darum sei das Wesen Christus und das Wesen Gottes aber ganz sicher dasselbe, und Arius sei überhaupt ein Häretiker, der aus der Kirche ausgeschlossen gehöre.

Kaiser Konstantin bekam Wind von dem ausufernden Konflikt in Alexandria und berief 325 n. Chr. das Konzil von Nicäa ein. Dem Kaiser war die theologische Dimension des Streits völlig wurscht, jedoch beäugte er die drohenden Unruhen mit Sorge- und so legte das Konzil fest, dass Gottvater und Sohn tatsächlich wesensgleich seien (griech. homoousios: von gleicher Substanz), und dass Christus kein Geschöpf Gottes, sondern seit Anbeginn der Zeit gleichberechtigter Teil der Dreifaltigkeit sei.

Das heisst aber auch: Jesus ist nicht der Vater. Das betonte der deutsche Theologe Karl Rahner, als er die Bezeichnung von Jesus als Gott als Häresie geisselte. Wie so viele christliche Glaubensinhalte ist auch das Verständnis von Jesus als Inkarnation Gottes verwurzelt in vorchristlichen Vorstellungen. Die Geschichten über den römischen Gottvater Jupiter, der als Mensch inkarniert auf der Erde wandelte, finden sich eins zu eins adaptiert in einem mythologisierten christlichen Verständnis vom Wesen Christi.

Sebastian Schafer


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21. März 2018
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