Be-sinn-ung am Ort, wo wir unsere Sinne nähren. Foto: -JULIANO / photocase.de

Besinnung

Trauerprozesse, so lehrte es Sigmund Freud, verlaufen nach einem gewissen Schema. Am Ende der erfolgreichen «Trauerarbeit» stehe die Integration der Verlusterfahrung. Dieser Ansatz prägte über Jahrzehnte Trauerkonzepte, wie wir sie zum Beispiel von Elisabeth Kübler-Ross kennen.

Die empirische Arbeit mit Trauernden hat viel dazu beigetragen, dass wir Trauerreaktionen heute besser verstehen. Die klassischen Trauermodelle gelten jedoch aktuell als überholt. Trauer äussert sich vielfältig. Verlusterfahrungen werfen Sinnfragen auf, und diese Sinnfragen bleiben. Wenn das Neugeborene auf dem Friedhof liegt anstatt im Kinderwagen, dann ist dieser Verlust auch noch nach Jahren schmerzlich präsent. Die Sinnfrage bleibt: Warum darf dieses Kind nicht mit seiner Familie am Tisch sitzen?

Sinnfindung tut not, aber, lese ich bei der Trauerforscherin Ruthmarijke Smeding (www.trauer-erschliessen.de), sie geschieht ausserhalb der als sinnlos erlebten Verlusterfahrung. Sinnfindung geschieht da, wo wir unsere Sinne nähren, zum Beispiel bei Wind und Wetter auf dem Waldspaziergang. Damit eine Rückkehr ins Leben möglich wird, brauchen wir Be-sinn-ung.

Simone Bühler, ref. Seelsorgerin


Die Kolumnen der Spitalseelsorge im Überblick

7. Februar 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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