Buchtipp: Nickolas Butler - Ein wenig Glaube

Die Frage nach dem Glauben stellt sich Lyle Hovde eigentlich nicht mehr – nach dem Tod seines Sohnes kurz nach der Geburt hat er damit abgeschlossen. Nun ist er etwas über sechzig, lebt mit seiner Frau Peg in einem kleinen Städtchen im Mittleren Westen der USA, und die Kirche, in der er getauft wurde und später heiratete, besucht er jeden Sonntag bloss noch als Ritual. Sein beschauliches, zufriedenes Leben wird durch die Rückkehr seiner Adoptivtochter Shiloh mit ihrem fünfjährigen Jungen Isaac aufgerüttelt – die alleinerziehende junge Frau findet nach einer schwierigen Phase Unterschlupf in ihrem Elternhaus. Während Lyles Herz vor Liebe zu Isaac fast überquillt, distanziert sich Shiloh um so mehr von ihren Eltern, je mehr sie in einer religiösen Sekte aufgeht. Ihre Art zu glauben lässt keine Alternative zu, Rationalität hat keinen Platz. Klar, dass sie sich auf die Seite des charismatischen Predigers stellt, der in Isaac die Gabe zum Heilen sieht. In dieser Logik ist es Lyles schuld, dass der Junge krank wird – sein fehlender Glaube ist Gift für Isaac.

Für Lyle und Peg beginnt so ein Eiertanz – wie weit können sie gehen, um ihre Beziehung zu Shiloh und vor allem zu Isaac nicht aus Spiel zu setzen? Ein berührender Roman um die vielen Facetten des Glaubens, um die Sehnsucht nach Glück und die Zerbrechlichkeit von allem, was uns so lieb und teuer ist.

Sabrina Durante


Nickolas Butler, Ein wenig Glaube,
 Klett Cotta Verlag, 2020.
Aus dem Englischen von Dorothee Merkel. Fr. 20,40

24. April 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
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