Mit dem Buch «Menschlichkeit JETZT!» hauchen Pierre Stutz und Helge Burggrabe den Menschenrechten Leben ein. Foto: zVg

Den Menschenrechten Leben einhauchen

Wie gelingt ein friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen über alle Grenzen von Weltanschauungen hinweg? Das ist die Leitfrage im neuen Buch «Menschlichkeit JETZT!» von Pierre Stutz und Helge Burggrabe.

Von Patrik Böhler*

  • «Ich entscheid' mich für die Liebe
    Und für die Menschlichkeit
    Denn nur wer nicht geliebt wird
    Hört auf, ein Mensch zu sein
    Ich entscheid' mich für den Frieden
    Und ich hör' immer auf mein Herz
    Wir sollten anfangen, uns zu lieben
    Ich weiss genau, wir sind es wert»

Was Marianne Neumann des Berliner Singer-Songwriter-Duos «Berge» hier besingt, könnte auch eine Zusammenfassung des neu herausgekommenen Buches «Menschlichkeit JETZT!» von Pierre Stutz und Helge Burggrabe sein. Wie im Song wird auch hier schnell klar, dass dies ein Buch von zwei «Ergriffenen» ist. Der Theologe und der Musiker haben ihre Geschichte reflektiert – eine biografische Reflexion, die in eine persönliche Ethik führt.

Schmerz als Chance zu wachsen

Die UN-Menschenrechte, welche in einer Beamten- und Juristensprache abgefasst sind, wirken losgelöst von Biografien und Geschichten vordergründig abstrakt und seelenlos. Das Buch «Menschlichkeit JETZT!» haucht den Menschenrechten Leben und Seele ein, weils sich da Menschen leidenschaftlich mit dem Leben beschäftigen. «Für mich heisst das ein Liebender zu sein, der immer wieder versucht anzunehmen, dass zu einem liebend-lustvollen Leben auch der Schmerz, die Enttäuschung, die Verunsicherung gehört als lebensfördernde Wachstumschance», so Pierre Stutz. «Gewaltfrei Widerstand wagen möchte ich, mich nie an Ungerechtigkeiten gewöhnen und zugleich annehmen, dass ich viele Früchte meines Engagements nicht selber ernten kann...»

Es ist diese Spiritualität, welche durch dieses Buch trägt. Grundlage und Gedankenspiel zu den elf Kapiteln dient das Bild des Labyrinths von Chartres. Die elf Ringe sind dort Metapher für den Prozess, für den Lebensweg auf der Erde, der noch nicht vollkommen ist. Jedes der elf Kapitel, welche je ein zentrales Lebensthema aufnehmen und damit jeden Menschen zentral anspricht, eröffnet mit einem Gedicht, erweitert mit Gedanken und lädt zur Reflexion ein und schliesst mit einem Filmtipp ab.

Gegensätzliches annehmen

Die Bezüge zu Kunst und Kultur, welche Tanz, Musik, Poesie, Gemälde, Film usw. sind, eröffnen Tür und Tor zu sich und insbesondere zum «ganzen Menschen». Was heisst nun Menschlichkeit ganz konkret im Alltag? Gemäss Pierre Stutz werden wir menschlicher und gerecht-zärtlicher, «wenn wir alltäglich einüben, das Gegensätzliche in und um uns herum anzunehmen, anstatt es zu bekämpfen. Dieser Weg beginnt in uns selbst, eigene Stärken und Abgründe in sich zu vereinen. Daraus wächst eine sozialpolitische Grundhaltung, in der ich all das, was mir fremd ist und mir Angst macht im Leben, nicht mehr bekämpfe, sondern es als Chance sehe, um konstruktiv mit Vielfalt umgehen zu können. Sie ahnen es: ich bin inspiriert von einer prophetisch-biblischen Tradition, in der Schwerter zu Pflugscharen umgewandelt werden können (Micha) und der Wolf und das Lamm (Jesaja) in einem Dialog sind. Visionen entwerfen, heisst immer auch konstruktive Kritik einbringen...»

Pierre Stutz und Helge Burggrabe laden zum Eintreten ein. Es ist, als ob die Tür zur warmen Stube offensteht. Darin hört man Gespräche und man nimmt an, dass dort im nächsten Raum neue Farben zu entdecken sind und neue berührende Geschichten warten. Der Duft von prallem Leben ist da und bevor man ein die Stube kommt, weiss man, dass da der Tisch gedeckt ist und da Menschen dich erwarten und sich auf dich freuen.

Buchtipp
Pierre Stutz, Helge Burggrabe: Menschlichkeit JETZT! Patmos 2021. 120 S., Fr. 14.50. Das Buch erscheint zugunsten des «HUMAN Culture Project». Dieses aktualisiert mit einem Orchesterwerk und Choreografien mit Jugendlichen die Menschenrechtscharta der UNO und wird an vielen Schulen weltweit umgesetzt: www.human-project.net.

 

*Patrik Böhler ist Fachlicher Mitarbeiter bei der Fachstelle Religionspädagogik der katholischen Kirche im Kanton Bern.

9. April 2021
erstellt von «pfarrblatt»
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