pfarrblatt:

News-Artikel

Foto: Juniperphoton, unsplash.com

Der beste Reiseführer

Vor einigen Jahren war ich mit Freunden in Rumänien und besichtigte auch die berühmten Moldauklöster. Diese sind vor allem wegen der bemalten Aussenwände ihrer Kirchen berühmt. In bunten Farben leuchten grossflächige Fresken, auf denen vor allem Szenen aus dem letzten Buch der Bibel, der «Offenbarung des Johannes», dargestellt sind. Ich hatte eine kleine Taschenbibel mit auf die Reise genommen und mit Hilfe des Bibeltextes liessen sich viele der ungewöhnlichen Bilder entziffern. Während wir also vor den Malereien standen und ich vorlas, gesellte sich eine Gruppe von Deutschen dazu und folgte aufmerksam der Beschreibung der Bilder. Am Ende sprach mich eine Frau an und fragte: «Was haben Sie denn da für einen tollen Führer?» Ich antwortete schlicht: «Eine Bibel!»

In der Tat ist die Bibel ein ausgezeichneter Reisebegleiter – und das nicht nur zur Entschlüsselung von Bildern in alten Kirchen. Das «Buch der Bücher» hält viele wertvolle Hinweise für die inneren Wege des Menschen bereit. Man findet Erzählungen von Freundschaft und Liebe, von Verrat und Versöhnung, von Glauben und Vertrauen.

Das Wort «Reiseführer» kann neben einem Buch auch eine Person bezeichnen. Ein Reiseführer ist ein erfahrener Mensch, der andere bei Fahrten gut begleiten kann. Im Zentrum der christlichen Religion steht letztlich nicht ein Buch mit Handlungsanweisungen, sondern eine Person, von der sich Menschen an der Hand nehmen lassen dürfen. Christ*innen erfahren das lebendige Beispiel Jesu als eine gute Begleitung auf dem Weg durchs Leben.

Ein Reiseführer hat seinen Sinn erst dann erfüllt, wenn man sich mit ihm auf den Weg macht. So will auch die Bibel nicht im Bücherregal verstauben oder bloss als fromme Sonntagslektüre dienen. Sie kann vielmehr Begleiterin durch den Alltag werden, um Begegnungen und Erlebnisse deuten zu helfen. Sie will zu ungeahnten Wegen einladen und dabei das Mitgehen Gottes entdecken lassen. Dann also: Gute Reise!

 

 

 

Andreas Knapp
… gehört der Ordensgemeinschaft «Kleine Brüder vom Evangelium» an. In Leipzig engagiert er sich in der Flüchtlingsarbeit und Gefängnisseelsorge.
Illustration: schlorian

 

 

 

«Wir nehmen uns die Zeit» im Überblick

 

 

18. September 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 20
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Spirituelles