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News-Artikel

Der Vietnamkrieg und die Schwarzen Soldaten

Geschichtsstunde in Spike-Lee-Manier: «Da 5 Bloods» auf Netflix

Kaum ein Krieg hat der amerikanischen Gesellschaft so tiefe Wunden zugefügt wie der Vietnamkrieg. Veteranen, die an posttraumatischen Störungen litten und danach nie mehr richtig im zivilen Leben Fuss fassten, sind eher die Norm als die Ausnahme.

In unzähligen Filmen wurde die Schmach der Niederlage ins Gegenteil gedreht – zum ersten Mal nimmt nun aber ein Filmregisseur die schwarzen Soldaten, die in diesem Krieg kämpften, ins Visier. Wie ist es diesen ergangen? Haben sie sich durch ihren Einsatz eine bessere soziale Stellung erarbeitet?

Auf den ersten Blick sieht es ganz so aus – da treffen sich vier schwarze Veteranen in einer luxuriösen Hotellobby, einer von ihnen besteht darauf, dass der ganze Aufenthalt auf seine Karte geht. Doch es ist nicht ein Herren-Wochenende in einem Luxusresort, das sie hier beginnen: das Hotel befindet sich in Ho Chi Min-City. Die vier sind also nach all den Jahren zurück in Vietnam – das ist zumindest speziell.

Es ist denn auch nicht Nostalgie, sondern eine zweifache Mission, die sie zusammen herbringt: einerseits wollen sie die sterblichen Überreste ihres Truppenführers Norman zurückholen - dies der offizielle Reisegrund.

Beim Manöver, in dem Norman getötet wurden, hatten sie eine Ladung Gold sichergestellt und vergraben. Dieses Gold wollen sie nun nach Jahrzehnten wieder holen. Die Schatzsuche entpuppt sich allerdings als gefährlicher, als es sich die vier Freunde vorgestellt hatten. «Im Krieg geht es um Geld, und bei Geld ist Krieg im Spiel», sagte ihnen Norman damals immer wieder. Auf ihrer Jagd nach dem Gold geraten die Veteranen in Situationen, in denen sie sich wieder im Krieg wähnen.

Der Vietnamkrieg kommt auch via diverse Filmclips zurück, die der Regisseur einblendet – seien es Original-Aufnahmen aus der Zeit, Interviews mit dem Dienstverweigerer Muhammad Ali, oder Rückblenden, in denen der sozialkritische Norman («Er war unser Malcolm und unser Martin», erinnert sich einer der Freunde) seine Kollegen über die soziale Ungerechtigkeiten der amerikanischen Gesellschaft aufklärt.

Und dank Szenen, die sich wie eine Hommage an Francis Ford Coppolas «Apocalypse Now» lesen, ist auch die filmische Verarbeitung des Vietnamkrieges präsent. Spätestens nach den zweieinhalb Stunden, die der Film dauert, ist klar: viele Menschen hat der Krieg nie richtig losgelassen. Und die Schwarzen waren darin gleich die doppelten Verlierer.

Sabrina Durante

Da 5 Bloods, 2020. Regie: Spike Lee. Mit Delroy Lindo, Jonathan Majors, Clarke Peters, Norm Lewis, Isiah Whitlock Jr., Chadwick Boseman, Jean Reno, Mélanie Thierry, Paul Walter Hauser, Jasper Pääkkönen, Johnny Nguyen. Seit 12. Juni 2020 auf Netflix zu sehen.

 

 

22. Juni 2020
erstellt von «pfarrblatt» online
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