Durch den Zorn des heiligen Beatus zu Stein erstarrt: die 7 Hengste im Berner Oberland. Bild: Pia Neuenschwander

Die 7 Hengste

Von der Zahl Sieben in den Märchen war in dieser Serie schon die Rede. Ebenso oft taucht sie in den Sagen auf. Besonders bekannt ist unserer Region jene von den «Sieben Hengsten», die im Grenzbereich zwischen Emmental und Berner Oberland spielt.

Bergwanderer Aendu hatte wohl Peter Maffays Lied «Über sieben Brücken …» im Kopf, als er im einschlägigen Internetportal «Hikr» schrieb: «Über sieben Hängste musst Du gehen …». Doch hier sei es «absolut kein Müssen, sondern wirklich ein wahrer Genuss! Herrliche ursprüngliche Bergwelt!!!»
Was diese Begeisterung auslöste, sind die «Sibe Hängste», wie der drei Kilometer lange Bergkamm im hinteren Teil des Zulgtals nördlich von Interlaken offiziell heisst. Die «Sibe Hängste» (1955 m ü. M) sind ein Kalkgebirge mit den dafür typischen Karstphänomenen wie Karren- felder, Dolinen und Höhlen. In der Gegend befindet sich die bekannte Siebenhengste-Hohgant-Höhle, die eines der grössten Höhlensysteme der Erde darstellt.

Wenn man diesen beliebten Wanderberg betrachtet, springen einem die sieben eng nebeneinander stehenden gleichförmigen Felsgipfel auf. Damit ist auch der erste Teil seines Namens erklärt. Doch woher rühren die «Hengste»?
Jetzt kommt eine Sage ins Spiel. Dazu heisst es im «Lehrmittel Innereriz»: «Markante, spezielle Geländeformen konnte man sich früher nicht wissenschaftlich erklären. Aus diesem Grund versuchte man deren Entstehung anhand von Sagen zu erläutern. Die Sage der Sieben Hengste ist ein Beispiel dafür.»

Diese erzählt, wie der heilige Beatus, der in der Höhle ob dem Thunersee lebte, die Nachricht bekam, seine sieben Hengste würden wie die Wilden durchs Justistal preschen. Von einem Berg herunter versuchte er, sie mit Zurufen zu stoppen. Doch die Pferde galoppierten weiter, worauf Beatus, nicht ohne sich vorher bekreuzigt zu haben, in heiligem Zorn einen Felsbrocken den Hang hinunterstiess. Mit «Donnerstimme» habe er geschrien: «Halt – e Ritz!» (Ritz gleich Rüfe).
Der Kraftakt wirkte mehrfach: Die Hengste, die auf einer Linie nebeneinander galoppiert waren, erstarrten sofort zu Stein – die «Sibe Hängste». Und fortan hatte das Gebiet auch seinen Namen «Eriz». Und schliesslich weiss man seither, wie die vielen Rinnen und Höhlen rund um die «Sibe Hängste» entstanden sind: Der rollende Stein erschütterte die ganze Gegend und riss überall Gräben in den Boden.

Die Sage von den Sieben Hengsten ist nicht die einzige, der man rund um die «Sibe Hängste» begegnet. Eine der von den «Schweizerischen Wanderwegen» propagierten Sagenwanderungen führt ins Seefeld am östlichen Abhang der «Sibe Hängste». Drei Brüder sollen dort von Hexen verführt worden sein. Sie hatten Glück und kamen schliesslich heil davon.
Nach dem Sagenspezialisten Andreas Sommer zeigen Sagen oft, «wie die Menschen früher mit Naturgewalten umgegangen sind». Sie hätten versucht, sich auf diese Weise mit den Naturkräften «gütlich» zu stellen. Sommer in der Zeitschrift «Wandern»: «Sagen sind eine sehr magische Kommunikation mit den Naturkräften.»

Synes Ernst


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12. Juli 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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