Ein Stück über das Vergessen

Irgendwo in der Schweiz, 1955. Das Pärchen Gerda und Heinz trifft auf die Verlobten Alfred und Hedi. Die Hochzeit von Alfred und Hedi steht kurz bevor. Die Abreise Heinz’ nach Lissabon steht kurz bevor. Heinz und Hedi sind heimlich verliebt. Hedi ist schwanger. Aber das sind alles nur Erinnerungen. Welchen Wert haben Erinnerungen?

Ein Tag in Bern, 2017. Heinz Romer legt seine Uhr ins Pulverfach der Waschmaschine. Seine Frau Gerda ist vor einigen Jahren gestorben. Die Uhr funktioniert nicht mehr. Heinz Romer muss heute in ein Altersheim. Seine Enkelkinder Michelle und Simon sowie Freunde von ihnen kommen vorbei. Im Altersheim sind die Wohnungen möbliert, und einige Möbel können in der neuen WG gebraucht werden. Die Wohnung wird geräumt. Die Wohnung wird besichtigt. Heinz Romer sitzt in seinem Sessel. Wir von der Verwaltung sind nur an einem reibungslosen Wechsel interessiert. Den Sessel können wir gut auch erst am Schluss mitnehmen. Ein Foto taucht auf. «Für immer dein – Hedi. Lissabon, 1955.» Erzählt das Foto eine Geschichte? Was hat das Foto für einen Wert, wenn die Erinnerung nicht mehr da ist? Welchen Wert haben Erinnerungen? Und wer ist Hedi?

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Der Berner Theaterverein Projekt210 wurde im Jahr 2011 von einer theaterbegeisterten Gruppe ehemaliger Gymnasiasten des Gymnasiums Köniz-Lerbermatt gegründet. Seither produziert die Truppe, in Zusammenarbeit mit Regisseur Roger Binggeli Bernard, jährlich ein Theaterstück, welches im Progr Kulturzentrum in Bern zur Aufführung kommt. Die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen konnten bereits mit vergangenen Produktionen Erfolge verbuchen. Zu den gewonnen Preisen gehören beispielsweise ein Preis der Theatertage Aarau oder der Förder- und Publikumspreis der Burgergemeinde Bern.

Das neuste Stück der jungen Theaterschaffenden trägt den Titel Dementia. Im Zentrum der Produktion steht der rund 80jährige Heinz Romer (Armin Kopp), eingewanderter Österreicher und Grossvater zweier Teenager. Heinz Romer leidet an Alzheimer und muss deswegen in ein Pflegeheim. Seine zwei Enkel Michèle und Simon (Grossartig: Annick Herren, Ilja Loutsenko) besuchen ihn, seine Wohnung wird geräumt, Leute kommen und gehen. Mittendrin sitzt Heinz Romer und kämpft mit der Erinnerung: An Hedi, seine unglückliche Liebe, aber auch an seine Enkel.

Mit viel Feingefühl inszeniert Regisseur Roger Binggeli Bernard die schwierige Geschichte um den Umgang mit Alzheimerpatienten. Die Herausforderungen, welche sich Angehörigen von dementen Personen stellen, und die Unsicherheit im Umgang mit Alzheimer werden von den jungen Schauspielern leise aber berührend aufgenommen und sichtbar gemacht. Welchen Platz haben Menschen mit Alzheimer in der Gesellschaft? Darf man demente Personen einfach «versorgen»? Und was bleibt, wenn die Erinnerungen weg sind?

Sebastian Schafer

Der Flyer als PDF zum Download

«Dementia»
Aufführungstermine: 30./31. März, 1./6./7./8./ April.
In der Aula des Progr Kulturzentrums Bern, Speichergasse 4, 3011 Bern.
Informationen und Reservierung unter www.projekt210.ch

22. März 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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