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Viel Arbeit und turbulente Jahre vor sich: Elisabeth Kopp legt am 2. Oktober 1984 ihren Eid als neugewählte und erste Bundesrätin ab. Foto: Fernand Rausser

Elisabeth Kopp

1972 geht eine junge Frau auf die Zürcher Kantonalbank: Erstmals seit ihrem Studium und der Mutterschaft verdient die gelernte Juristin etwas Geld – als Gemeinderätin von Zumikon. Am Schalter aber muss sie feststellen, dass es ihr als verheiratete Frau nicht möglich ist, ein Konto zu eröffnen. Elisabeth Kopp-Ikle benötigt dazu die Erlaubnis und Unterschrift ihres Mannes.
Schweizer Frauen können zwar seit 1971 in ein politisches Amt gewählt werden, sind aber – sofern verheiratet – in finanziellen Angelegenheiten immer noch unmündig und vom Ehemann abhängig.

Die Frage der Gleichberechtigung zieht sich durch Elisabeth Kopps Leben wie ein roter Faden. Im Kirchenfeldgymnasium, so erzählt sie einmal, bekam sie in den 1950er Jahren zu hören, warum sie einem begabten Jungen den Platz wegnähme, würde sie doch fur mehr als eine Eisprinzessin nicht taugen.
Endgültig politisiert haben Elisabeth Kopp der Aufstand der Ungarn und die Osteuropafrage. Noch vor der eidgenossischen Einführung des Stimm- und Wahlrechts fur Frauen wird sie 1970 in Zumikon in den Gemeinderat und zwei Jahre später mit einem Glanzresultat von 82% als Gemeindepräsidentin gewählt. Als Elisabeth Kopp am 2.Oktober 1984 Bundesrätin wird, hat die Schweiz kürzlich einen Gleichstellungsartikel in der Verfassung verankert. Auf die neue Departementschefin wartet viel Arbeit. Der Abstimmungskampf fur das neue Eherecht, das sich vom patriarchalen Modell verabschiedet und Mann und Frau als gleichberechtigte Partner versteht, fordert die Bundesrätin stark.
Stände- und Nationalrat wie auch die meisten Parteien unterstützen die Vorlage kräftig, doch einer ist gar nicht einverstanden: Unter dem Stichwort «Kein Richter im Ehebett» lanciert Christoph Blocher eine Gegenkampagne. Der Ausgang der Abstimmung ist knapp. Mit 54,7% sagt die Schweiz 1985 Ja zum neuen Ehegesetz; am 1. Januar 1988 tritt es in Kraft. Der Abstimmungskampf wurde nur dank den Frauen gewonnen. Die Mehrheit der Männer hatte die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Ehe abgelehnt, die Mehrheit der Frauen sagte Ja!

Angela Büchel Sladkovic


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11. Mai 2016
erstellt von «pfarrblatt»
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