Foto: www.xenixfilm.ch

Filmtipp: Corpus Christi

Daniel sitzt in der Jugendstrafanstalt. Sein einziges Vorbild im von Gewalt geprägten Anstaltsleben ist Pfarrer Thomas. Wie er, will auch Daniel Pfarrer werden, was unmöglich ist, weil Daniel getötet hat. Nach der Entlassung soll sich Daniel in einer Sä gerei zur Arbeit melden. Schon auf der Busfahrt wird klar, sein Leben wird sich nicht ändern. «Ich erkenne den Abschaum sofort», sagt der Polizist und hält ihm die Dienstmarke unter die Nase.

Daniel sucht Trost in der Kirche. Im Angesicht eines gekreuzigten Jesus, fühlt er sich berufen, sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Daniel stellt sich als Pfarrer Thomas vor. Traumatisiert durch einen schrecklichen Unfall brauchen die Gemeindemitglieder genau einen wie ihn. Daniel kann ihnen helfen, weil er ist, wer er ist. Tiefgläubig, empathisch, ohne Angst vor den menschlichen Abgründen, nicht korrumpierbar mit einer starken persönlichen Beziehung zu Gott. Er vertröstet die Gemeinde nicht auf das Jenseits wie der alte Pfarrer, der heimlich seinen Kummer im Alkohol ersäuft.

Der Film des polnischen Regisseurs Jan Komasa testet das klerikale System. Er wirft die Frage nach der priesterlichen Weihe auf und verknüpft sie mit der Frage nach Berufung und Charisma. Die christliche Lehre von Schuld und Vergebung wird wörtlich genommen, und wenn Daniel den Corpus Christi in der Monstranz durch das Dorf trägt, wird die Prozession zur Demonstration. Wahrheit, Echtheit, Liebe und Vergebung – für alle! Ein starker Film.

Eva Meienberg, Redaktorin Medientipp


«Corpus Christi», Polen/Frankreich 2019, Regie: Jan Komasa. www.xenixfilm.ch
Kinostart: 3. September. Läuft im Kino Rex, Schwanengasse 9, Bern

 

 

2. September 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 19
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