Das Wasser ist mehr als knapp. Diter Sanizo bei der Morgentoilette. Foto: Alexandra Wey, Caritas Schweiz Hilfe zur Selbsthilfe.

Geboren in einer Oase ohne Trinkwasser

Im bolivianischen Bezirk Sapahaqui leben mehr als 95 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Nur 23,5 Prozent der Gemeinden verfügen über ein Trinkwassersystem mit Hausanschluss. Gemeinsam mit der lokalen Partnerin Caritas Corocoro und dem tatkräftigen Einsatz der Bevölkerung ermöglicht Caritas Schweiz acht Gemeinden in der Region den Zugang zu sauberem Trinkwasser – insgesamt profitieren davon 1470 Menschen.


Das Dorf Poopo liegt in einem grünen Tal südwestlich von La Paz, umgeben von kargen Felsen und hohen Bergen. Doch das Dorf ist nur auf den ersten Blick eine idyllische Oase. Denn mit dem Wasser des salpeterhaltigen Sapahaqui-Flusses können die Bauernfamilien zwar ihre Felder bestellen, aber nicht den Durst löschen.
Diter Sanizo (22) steht im Tomatenfeld und blickt über die weite Landschaft. Im Hintergrund ist die Grossfamilie bei der Ernte; Diters Frau Silvia Choque (18) trägt den fünfmonatigen José in einem Tuch auf den Schultern. «Die Feldarbeit ist anstrengend, die Sonne brennt auf uns herab. Doch oft bleiben wir durstig, weil wir nicht genügend Wasser haben », sagt der junge Vater. Die Familie trägt das kostbare Nass auf vielen Wegen zusammen: Sie sammelt Regenwasser und bringt Trinkwasser in Kanistern aus der Nachbargemeinde und aus der Hauptstadt La Paz – ein ebenso teures wie aufwendiges Verfahren.
Die beschwerliche Fahrt in die Hauptstadt dauert mit dem Nachtbus acht Stunden. Ein Liter Trinkwasser aus La Paz kostet inklusive Fahrt 50 Centavos (50 Rappen). Erst wenn gar kein Wasser mehr da ist, holt Diter zu Fuss Süsswasser aus einem nahe gelegenen Fluss, der aber stark verschmutzt ist.

Salziges Wasser macht krank
Und trotz all dieses Aufwands: Das Trinkwasser ist mehr als knapp. Darum nutzt die Familie den ebenso salzigen wie verschmutzten Bewässerungskanal, um sich selbst und die Wäsche zu waschen, manchmal sogar zumKochen. Dass dies nicht gesund ist, weiss Vater Diter: «No hay otra – es bleibt nichts anderes übrig.» Ein Wunder, dass der kleine José seine ersten Monate so gut überstanden hat, abgesehen von ab und zu einem Durchfall und salzigen Rückständen auf der Haut.
Der Sapahaqui-Fluss ist Segen und Fluch für die Bewohner von Poopo. Er ermöglicht den Bauern zwar ein Auskommen, in der Trockenzeit jedoch müssen die Familien das wenige Wasser aufteilen oder die Bewässerung ganz einstellen, weil die Pflanzen die Konzentration von Salz nicht vertragen. Und in der Regenzeit verschwindet nicht selten der einzige Weg, der durch den Fluss in die nächste grössere Ortschaft und nach La Paz führt. Eingesperrt in ihremeigenen Dorf, können die Bauern ihre Produkte nicht verkaufen und müssen sie verfaulen lassen.

Regenwasser sammeln
Doch nun wird das Leben einfacher: Dank der Unterstützung von Caritas können die Familien bei ihren Häusern Systeme für die Sammlung von Regenwasser installieren. Diter hat seinem Schwiegervater bei den ersten Bauarbeiten geholfen, hat Ziegel geschleppt und Zement gemischt. Wenn die Anlage fertig ist und der Regen kommt, wird die Familie genügend Wasser haben, um während der Feldarbeit den Durst zu löschen – und manchmal sogar genug, um sich zu waschen. Und der kleine José wird mehr Chancen auf ein gesundes und glückliches Leben haben.

Dominique Schärer, Caritas Schweiz

Hinweis
Für weitere Informationen, Bilder und ein Video: http://dasrichtigetun.caritas.ch (Das Richtige tun, wenn Armut ihr Gesicht zeigt).
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26. August 2015