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Sr. Hatune Dogan: «Wer bin ich denn, Unterschiede zu machen, wenn Jesus Christus es nicht getan hat?»

Sr. Hatune Dogan: «Wer bin ich denn, Unterschiede zu machen, wenn Jesus Christus es nicht getan hat?»

Hat eine Nonne Angst im Krieg?

Schwester Hatune Dogan hält es nicht hinter Klostermauern. Die syrisch-orthodoxe Ordensfrau hilft mit ihrer Stiftung «Helfende Hände für die Armen» in Regionen, wo die sogenannte IS wütet.

Hatune Dogan wird 1970 in einem christlichen Dorf im Süden der Türkei geboren. Mitte der 80er-Jahre muss ihre Familie fliehen und landet in Deutschland. Mit 16 Jahren tritt Hatune in das syrisch-orthodoxe Kloster in Holland ein. Im Noviziat studiert sie Theologie und lernt Krankenpflege. Als sie in Indien mit Armut und Elend konfrontiert wird, bleibt sie und hilft. Mit Spenden baut sie Häuser und Schulen, organisiert medizinische Versorgung und vermittelt Jobs für Jugendliche. Inzwischen machen bei ihrer «Stiftung Hatune – Helfende Hände für die Armen» weltweit 5000 Freiwillige mit.
Viel braucht Hatune Dogan nicht für ihre Reisen. Der grosse Koffer ist mit Kleidung für Flüchtlinge vollgestopft. In einem kleinen steckt ihre Ausrüstung, in einer Plastiktüte eine zweite Nonnenkutte. Ihr Ziel sind Flüchtlingscamps im Südosten der Türkei und direkt in Krisengebieten. Sie hilft Menschen auf der Flucht vor den Milizen des so genannten «Islamischen Staats» (IS) – darunter vielen Christen. Aber sie helfe auch allen anderen. «Wer bin ich denn, Unterschiede zu machen, wenn Jesus Christus es nicht getan hat?», sagt sie. Besonders besorgt ist Schwester Hatune übers Schicksal der Frauen, die als Sexsklavinnen missbraucht werden. Rund 4000 sind heute in der Gewalt der Terroristen. Sie erzählt, dass sich kürzlich 40 Mädchen von einem Felsen in den Tod gestürzt hätten, nachdem sie von IS-Kämpfern vergewaltigt worden waren. Sie selber habe keine Angst vor dem Tod. «Das einzige, was ich fürchte, ist, misshandelt und gequält zu werden.» Sie stellt fest: «Ich habe keine Tränen mehr.» Und: «Mein Herz weiss keine Lösung.» Trotzdem reist sie wieder nach Syrien und in den Irak. Viele Mädchen warten auf sie, ihre wohl einzige Vertraute. Sie wollen von ihrem Elend erzählen, als erster Schritt hinaus in ein normales Leben.

Hinweis: www.hatune.de.
Buchtipp: Hatune Dogan und Tonia Riedl, Ich glaube an die Tat. Im Einsatz für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, Brunnen Verlag, Fr. 14.90

11. März 2015