Gérard Voegele, Markus Rusch, Regula Furrer und Josef Wäckerle.

Herbstsynode: Nachfolger gesucht

Am vergangenen Samstag tagte die Synode der röm.kath. Landeskirche des Kantons Bern in Thun. Das Legislaturende des Kirchenparlaments war geprägt von Abschieden.

Über 20 Jahre lang war Walter Riedweg als Synodale und als Synodenpräsident engagiert. Als Alterspräsident verabschiedete er sich am vergangenen Samstag von der Synode. Walter Riedweg blickte zurück, um zu konstatieren, dass die Arbeit, die Verantwortung und der Aufwand immer grösser werden. Gleich anschliessend kündigte auch Synodalratspräsident Josef Wäckerle an, im Frühling nicht mehr für eine weitere Amtszeit anzutreten. Der Vorsitzende der Exekutive sorgte damit für eine Überraschung.
Auf «pfarrblatt»-Nachfrage begründete Josef Wäckerle seinen Entscheid vor allem mit der Arbeitsbelastung: «Bei meinem Amtsantritt sagte man mir, ich hätte mit einem 40Prozent-Pensum zu rechnen. Der Arbeitsaufwand nahm aber in den letzten zwei Jahren wegen der politischen Interventionen enorm zu – es wurde zu einem Vollamt. Das wird sich künftig wohl kaum gross ändern. Da machte ich mir Gedanken über die Work-Life-Balance. Es gibt auch noch andere Gründe für meinen Entscheid, zu denen ich mich hier aber nicht äussern möchte.» Angesprochen auf die wichtigen Verhandlungen zumneuen Kirchengesetz, die Diskussionen zum Verhältnis Kirche und Staat und überhaupt die womöglich nötige Kontinuität in der Führung, führte Wäckerle aus: «Diese Arbeiten wären auch in vier Jahren noch nicht ganz abgeschlossen. Der Hauptteil der politischen Arbeit wurde jedoch mit der Antwort auf den Bericht zum Verhältnis Kirche und Staat im Kanton Bern bereits geleistet oder steht mit der Ausformulierung des neuen Kirchengesetzes im nächsten Halbjahr noch an. Damit stehen Mitte nächsten Jahres die politischen Rahmenbedingungen. Die grosse juristische Aufgabe der Umsetzung steht noch bevor.»

Wie sucht man jetzt eine Nachfolge?
Josef Wäckerle ist der Meinung, dass es «weise wäre», durch das Synodebüro eine Findungskommission einzusetzen. Er führt weiter aus: «Eine Juristin, ein Jurist und/oder jemand mit einer langjährigen fundierten Führungserfahrung wäre wohl am ehesten geeignet. Denn in den nächsten Jahren gilt es, die politischen Entscheide in die zu verändernde Kirchenverfassung sowie in neue Verordnungen und Reglemente umzusetzen. Dafür wären solche Qualifikationen entscheidende Voraussetzungen für ein gutes Gelingen.»

Die Abgeordneten haben an der Herbstsynode den Voranschlag 2016 einstimmig gutgeheissen. Dieser weist einen Ertrag von Fr. 5615200 und einen Aufwand von Fr. 5447770 auf. Der Überschuss ist insbesondere auf teils ausserordentliche Beiträge von Kirchgemeinden zurückzuführen. Damit wird in den kommenden Jahren jedoch kaum zu rechnen sein. Die Synode hat denn auch den Bericht des Synodalrats zur Strategieentwicklung der Landeskirche zur Kenntnis genommen. Aufgrund der Personalsituation in der Pastoral werden Freiwilligenarbeit und Schulung der Ehrenamtlichen immer wichtiger. Die Landeskirche soll dabei die Rolle einer Austauschplattform einnehmen.

Eröffnet wurde die Synode mit einem Grusswort von Regierungsrat Christoph Neuhaus. In seiner gutgelaunten Ansprache erläuterte er die laufende Ausarbeitung des neuen Kirchengesetzes, mit dem die Pfarrpersonen künftig von der Landeskirche angestellt sein sollen.

Andreas Krummenacher

25. November 2015
  • Kirche und Staat