Pater Antonio Grasso, Leiter der Missione Cattolica Italiana in Bern

Robeto Iannarelli, Leiter des Schweiz-Büros der Internationalen Organisation gegen Menschenhandel (IOM).

Robeto Iannarelli und P. Antonio Grasso im Gemeindesaal der Missione Cattolica Italiana

Hoffnung auf ein besseres Leben

40 Millionen Menschen sind weltweit Opfer von Menschenhandel. Die Missione Cattolica Italiana in Bern setzt in den nächsten Wochen auf dieses Thema einen Fokus. Der Auftakt macht ein Informationsabend mit Roberto Iannarelli von der Internationalen Organisation gegen Menschenhandel (IOM).

von Andreas Krummenacher


Die Kirchenpatronin der italienischsprachigen Katholik*innen in Bern ist die «Madonna degli Emigrati», die Muttergottes der Auswanderer also. Migration, Auswanderung, Flüchtlinge, Asyl – eine Gruppe Freiwilliger der Missione widmet sich ganz diesen Themen.

Aktuell im Zentrum steht der Menschenhandel. Pater Antonio Grasso steht hinter diesen Aktivitäten. Als Leiter der «Missione Cattolica Italiana» in Bern hat Pater Antonio seit 2015 verschiedene Initiativen zugunsten von Flüchtlingen in der Schweiz lanciert.

In seiner Einführung am Informationsabend beginnt er mit der Definition von Menschenhandle der Vereinten Nationen (UNO). Menschenhandel ist demnach der Handel von Personen durch die Anwendung unerlaubter Mittel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, der Ausbeutung der Arbeitskraft oder zur Entnahme von Körperorganen.

Papst Franziskus habe sich immer wieder explizit gegen Menschenhandel und die Ausbeutung ausgesprochen. Wir müssten gerade als Christen genau hinschauen.

Eingeladen als Experten hatte er Robeto Iannarelli. Der Leiter des Schweizbüros der IOM führte aus, dass Menschenhandel auch die Schweiz etwas angehe. Es gibt eine nationale Meldestelle, die seit 2015 existiert. 240 Meldungen wurden seither verarbeitet.

Menschenhandel so Iannarelli, funktioniere nur, weil es Ungleichheiten gebe. Armut, Unwissen, ungleiche Verhältnisse. Überdies werde er durch nicht funktionierende Zivilgesellschaften oder zerstörte Familien begünstigt. Auch Gruppendiskriminierungen, die Verfolgung von Minderheiten beispielsweise, könne zu Menschenhandel führen.

Menschen würden unter falschen Versprechungen, unter falschen Angaben angeworben und angelockt. Man verspreche beispielsweise einer jungen Frau aus einem afrikanischen Land eine Arbeit als Babysitter in der Schweiz, man bezahle die Reise und sonstige Auslagen. In der Schweiz angekommen, werde der Frau der Pass eingezogen und sie lande in einem Bordell. Hier werde sie sexuell ausgebeutet, immer wieder mit dem Verweis, sie müsse die hohen Reisekosten abbezahlen, man drohe ihr, man wende Gewalt an und man schüchtere sie ein, indem man ihr sage, ihrer Familie im Heimatland werde etwas passieren.

Diese junge Frau könne sich kaum wehren, ihr würden sämtliche Kenntnisse über die Schweiz fehlen, sie habe kaum Chancen, Hilfe von aussen zu holen. Oftmals seien die Opfer isoliert, würden ständig überwacht.

Das war nur ein Beispiel, an dem Roberto Iannarelli ganz konkret den Menschenhandel illustrierte. Es gebe viele weitere Arten und Möglichkeiten des Menschenhandels. Für die Schweiz im Vordergrund stehen sexuelle Ausbeutung und die Ausbeutung der Arbeitskraft. Die Dunkelziffer, so Iannarelli, sei hoch. Menschenhandel sei ein Verbrechen gegen die Menschen selbst, gegen die Menschlichkeit. Das Ziel des Menschenhandels sei die Ausbeutung, der Mensch diene als Ware, die verkauft werde, von der man Profit generiere.

In Europa, so Roberto Iannarelli, seien 68 Prozent der Opfer Frauen. Und ein Viertel sei minderjährig. Die Zahlen für die Schweiz sind ähnlich.

Menschenhandel, so präzisierte Roberto Iannarelli zum Schluss, sei nicht gleichzusetzen mit Menschenschmuggel. Beim Schmuggel gehe es darum, gegen Geld, Menschen illegal über Grenzen zu bringen. Das sei ein Verbrechen gegen Staaten, welche die Grenzen schützen möchten. Die Person, die bezahle, sei damit meistens einverstanden.

Es gibt in der Schweiz verschiedene Stellen, die Menschenhandel bekämpfen und an die man sich auch wenden kann. Die nationale Meldestelle, kantonale Opferhilfestellen, zuerst und vor allem aber ist es die Polizei.

Die Internationale Organisation gegen Menschenhandel (IOM) selbst ist eine mit der UNO assoziierte Organisation. Robeto Iannarelli führte aus, dass seine Organisation hauptsächlich Programme zur Migrationssteuerung im Auftrag von Regierungen durchführe. Es gehe um Regelungen der Migration, um Kontrolle und damit um geordnete Migration. Das sei wichtig für die Menschenwürde. Die IOM, so Iannarelli, engagiere sich in der Schweiz stark im Bereich der freiwilligen Rückkehr und der Wiedereingliederung von Migrant*innen in ihren Ursprungsländern.

Ein schwieriges Thema bei dem am Anfang ein einfacher, urmenschlicher Wunsch steht, nämlich die Hoffnung auf ein besseres Leben.

 

 

1. November 2019
erstellt von «pfarrblatt» online
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Brennpunkte