Es geht um mehr als nur um den Schrecken: Holocaust-Überlebende. Foto: Beat Mumenthaler

Hoffnung auf mehr Menschlichkeit

Die Geschichte des Holocausts muss auch der jungen Generation bewusst bleiben. Bis Ende November sind im Berner Kornhausforum rund ein Dutzend Porträts von Überlebenden ausgestellt. Die Aussteller von «The Last Swiss Holocaust Survivors» bieten Workshops für Schulklassen an – und werden überrannt.


Die Erinnerung an den Holocaust darf nicht verblassen. Darin liegt das Hauptanliegen der Initiantin Anita Winter, die im Berner Kornhausforum die Ausstellung «The Last Swiss Holocaust Survivors» eröffnet hat. Sie selbst ist Tochter von Holocaust-Überlebenden, hat ihre vergangenen Jahre diesem Thema gewidmet, unterstützt materiell mit ihrer Gamaraal-Stiftung verarmte Überlebende und kämpft mit Bildungsangeboten gegen das Vergessen an.

«Bei der Erinnerung geht es um mehr als nur um den Schrecken, der nicht in Vergessenheit geraten soll», sagte sie in ihrer Eröffnungsrede. «Es geht auch um die Hoffnung, die mit der Erinnerung verbunden ist – die Hoffnung auf mehr Menschlichkeit.»

Die nun angelaufene Ausstellung in Bern zeigt 13 der letzten in der Schweiz lebenden Zeitzeugen des Holocausts, dazu einen Mann der zweiten Generation. Die Überlebenden werden auf grossformatigen Schwarz-Weiss-Bildern des Fotografen Beat Mumenthaler, in Kurzfilmen des Zürcher Filmemachers Eric Bergkraut und mit Zitaten und knappen biografischen Angaben porträtiert.
Es sind Geschichten von Menschen, deren Menschlichkeit einst verneint wurde. Geschichten der Flucht, der Entrechtung, des erlittenen Leids und des Verlusts naher Angehöriger.

Die Ausstellung zeigt auch, dass das Trauma und die tiefe Trauer bis ins hohe Alter stete Begleiter der Überlebenden bleiben. Es sind aber auch Zeugnisse des Über- und Weiterlebens. «Wir alle wissen, wie wichtig es ist, dass die Betroffenen Zeugnis ablegen und auch stellvertretend für die sechs Millionen sprechen, die nicht mehr erzählen können», so Winter weiter.

Rekord an Führungen für Schulklassen

«The Last Swiss Holocaust Survivors» ist eine Wanderausstellung, verfasst auf Deutsch, Französisch und Italienisch sowie auf Englisch für einige Standorte im Ausland. Den erhofften Effekt erreichte die Ausstellung bereits im Frühsommer, als innert sechs Wochen 3000 Besucherinnen und Besucher kamen, darunter 41 Schulklassen. 25 weitere Klassen mussten abgewiesen werden.

Auch in Bern zeichnet sich ein Rekord ab: Schon vor der Eröffnung haben sich 30 Schulklassen angemeldet – üblich sind laut Bernhard Giger, Leiter des Kornhausforums, deren ein bis zwei. Diese Nachfrage stimmt Anita Winter optimistisch, doch sie mahnt zur Vorsicht: «Gerade in einer Zeit, da Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus wieder aufflackern, soll die Ausstellung eine Warnung sein.»

Hannah Einhaus

Infos zur Ausstellung
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, von 10.00 bis 19.00, Samstag, von 10.00 bis 17.00.
8. November, 19.00: Zeitzeugengespräch mit Walter Strauss über die «Kristallnacht» vom 9. November 1938 in Berlin.
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1. November 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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